Cattle Decapitation - Monolith Of Inhumanity
Wenn sich eine Band Cattle Decapitation nennt, kann man getrost davon ausgehen, dass die gewählten Wege, um zum Hörer durchzudringen, nicht unbedingt von Feinfühligkeit und schon gar nicht von Eingängigkeit geprägt sind. Dementsprechend kann man auch ohne zu übertreiben bereits nach der allerersten Runde im CD-Player sagen, dass „Monolith Of Inhumanity“ wohl das Extremste ist, was dieses Jahr auf den Markt kommt. Meine Fresse, allein das Tempo, welches die vier Musikfanatiker aus San Diego an den Tag legen, ist – getreu dem Plattentitel – als unmenschlich zu bezeichnen. Hier werden mit die höchsten BPM-Werte erreicht, die die Band in ihrer sechs Alben umfassenden Diskografie zustande gebracht hat. Das ist aber nur ein Aspekt unter vielen, welcher die Scheibe zu etwas ganz Besonderem macht. Insbesondere das spielerische Niveau, das hier aufgefahren wird, ist eigentlich nicht zu toppen, und wenn, dann nur von einer handvoll Leuten auf diesem Planeten. Und obwohl das alles supertechnisch ist, klingt das Ding zu keiner Zeit nach Instrumentalmasturbation. Cattle Decapitation gelingt es tatsächlich mit beeindruckender Treffsicherheit immer die Variante auszutüfteln, die für den jeweiligen Song das Beste ist, und nicht für das Ego der Musiker. Zum echten Meisterwerk wird der Silberling aber erst durch die gute Hörbarkeit, die trotz aller Extreme gewährleistet ist: „Monolith Of Inhumanity“ ist alles andere als eine reine Aneinanderreihung der heftigsten Blastbeats und halsbrecherischsten Riffs die man sich denken kann, sondern vielmehr ein äußerst abwechslungsreicher und genial kalkulierter Streifzug durch die unterschiedlichsten Subgenres des extremen Metals. Neben den exzellenten Grind- und Death-Geschichten kommen ebenso begeisternde Elemente aus Doom („Do Not Resuscitate“), Black Metal („Forced Gender Reassignment“) sowie einige Punkanleihen („Projectile Ovulation“) zum Einsatz. Mit „The Monolith“ traut man sich sogar an einen echten Ambient-Song heran und meistert auch diese Aufgabe scheinbar mühelos. Dass man sich zudem noch auf die Konstruktion richtig knackiger Melodien versteht, belegen Songs wie „A Living, Breathing Piece Of Defecating Meat“, „Lifestalker“ und „Kingdom Of Tyrants“, die zugleich auch die ganz großen Höhepunkte unter diesen elf Stücke markieren, wobei es durchaus schwer fällt, unter so viel gutem Material das Beste zu benennen. Außerdem ist die (für mich persönlich perfekte) Produktion mehr als bemerkenswert, denn selbst in den Hochgeschwindigkeitsabschnitten klingt die Band noch organisch, und vor allem hört man heraus, dass hier Menschen Musik machen und keine Drum Machines und sonstigen Computer. Und wie es sich für ein Album dieser Kategorie gehört, sind die Texte erste Sahne – natürlich bis zum Anschlag provokant, aber mindestens ebenso clever. Wie schon die Songtitel verraten, alles andere als leichter Stoff… Insgesamt betrachtet, ist „Monolith Of Inhumanity“ trotz der früheren Großtaten der Band eine Überraschung, denn die Platte klingt tatsächlich noch abgefahrener und extremer, als alles was die Kalifornier bisher veröffentlicht haben, und vor allem als die meisten Kritiker es ihnen zugetraut hätten. Wir haben es hier mit einer dieser Platten zu tun, bei der eigentlich alles stimmt. Dadurch muss sie zweifelsfrei zu einer der besten Grind-Veröffentlichungen der letzten Jahre gezählt werden, und wer hier nicht zugreift, verpasst definitiv etwas. (cj)




