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Bands aus Luxemburg im allgemeinen und dEFDUMp im besonderen kennt man in unseren Breitengraden wohl eher nicht. Ihr neues Album „This Is Forevermore“ hebt sich deutlich aus der Masse der Veröffentlichungen heraus und das war ja schon Grund genug um mit Frontmann Pascal Useldinger mal ausgiebig zu quatschen.

H: Bevor ich Euer neues Album „This Is Forevermore“ auf dem Tisch hatte, war mir Eure Band völlig unbekannt. Lass uns also mit ein paar Standardfragen anfangen: erklär doch mal den Bandnamen und die Schreibweise mit Groß- und Kleinbuchstaben.

PU: Im Prinzip haben wir zu viert angefangen und jeweils die ersten Buchstaben unserer Namen zum Bandnamen geformt, damals hießen wir also noch DUMP. Als wir später dann einen zweiten Gitarristen dabei hatten hießen wir dann DUMMP, sein Name hat also auch mit nem M angefangen. Der hat die Band aber schließlich wieder verlassen und der Name des Nachfolgers hat einfach nicht reingepasst, wir konnten also nicht mit DUMP weitermachen, so haben wir DUMP also zu Grabe getragen und heißen jetzt eben dEFDUMp, ganz schön langweilig an sich!

H: Die allermeisten Leser werden keine einzige Band aus Luxemburg kennen. Ich hab in der letzten Zeit aber mehrere Alben von dort auf den Tisch bekommen, es scheint also eine lebendige Szenen zu geben. Bitte fass doch kurz die Situation der Szene und die Möglichkeiten für eine Metalband (wenn Du Dich mit dem Begriff Metalband identifizieren kannst) dort zusammen.

PU: Über die letzten Jahre hat sich in der lokalen Szene einiges getan, eine Menge junger Bands sind nahezu über Nacht aufgetaucht und ich finde es gibt heutzutage ein paar wirklich interessante Bands... Dabei sind die Möglichkeiten für eine Metalband wohl genau die gleichen wie für jede anderer Band. Mann muss auch die umliegenden oder andere Länder erreichen um auf seine Verkäufe zu kommen. Denn mit 450.000 Einwohnern hat Luxemburg keine richtige Musikindustrie und also auch keinen Markt, der es einem ermöglichen würde von der Musik zu leben. Mal abgesehen von Silbermond, Juli und dem ganzen anderen Mist, der es solchen Bands ermöglicht nur von den Verkäufen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu leben; oder eben dann auch französische Bands, die nur in französischsprachigen Ländern Alben verkaufen.
Wenn man also aus Luxemburg kommt, ist man auf dem Musikmarkt immer ein Außenseiter. Was vielleicht auch eine Erklärung dafür ist, dass hier jeder die Freiheit genießt und die Musik macht, nach der sie sich eben fühlen – jedenfalls machen wir das so! Man muss sich seine eigenen Möglichkeiten schaffen und den kleinen Vorteil nutzen, den man vielleicht hat, wenn man aus Luxemburg kommt, das ist dann der europäische oder Internationale Flair, der hier präsent ist.

H: Dann nenn uns doch mal ein paar Bands aus Luxemburg, die die Leser kennen sollten!

PU: Mutiny On The Bounty, Eternal Tango, Miaow Miaow, Exinferis,Fast Friday.

H: Wie Du oben ja selbst schon angesprochen hast, Eure Aktivitäten beschränken sich ja keinesfalls nur auf Euer Heimatland, ich hab von Touren bzw. Shows in Spanien und Frankreich gelesen und es sind wohl sogar Shows in Osteuropa/Russland geplant. Da gibt’s es durchaus Majorbands, die in diesen Ländern bis heute nicht präsent sind, wie habt Ihr es geschafft dort aufzutreten?

PU: Naja, ich hab ja schon von dieser Internationalität in Luxemburg gesprochen, was für uns auch ne tolle Sache war, so dass wir die Kulturen die uns unmittelbar umgeben kennen lernen konnten. Wenn man wirklich Musik machen will, muss man bei uns einfach auch außerhalb des Landes aktiv werden. Und wenn man das dann macht, ist es nun mal so, dass man im einen Land mehr gemocht wird, als in anderen Ländern. In Frankreich und auch im Baltikum, was ja zwei sehr verschiedenen Kulturen sind, hat man uns schon seit 2001 sehr gemocht – frag mich nicht warum! Naja und als wir dann gehört haben, dass es in Russland auch ein paar Leute gibt, die auf uns warten und dass die kleine Fanbase dort stetig wächst war es ja naheliegend auch dort aufzutreten. Es ist auch so, dass es in jedem Land andere Möglichkeiten in Bezug auf Plattenfirmen, Vertriebe und sonstige Gelegenheiten gibt. Es kam durchaus schon vor, dass wir am einen Tag eine Show im Vorprogramm vor wem auch immer mit 1500 Leuten gespielt haben und ein paar Tage später in irgendeinem Loch vor 35 Leuten aufgetreten sind. Da haben wir absolut keine Angst davor und wir wollen uns auch gar nicht auf ein einziges Land oder eine spezielle Art von Shows beschränken. Wir mögen die großen Bühnen genauso wie die kleinen, wir mögen riesige Festivals ebenso wie kleine Pubs, kleine stickige Käfige... Je öfter und überzeugender du in einem Land auftrittst, umso mehr Leute kommen zur nächsten Show!

H: Auf Eurer Homepage habe ich die „Behind The Scenes“-Sektion entdeckt und dort einen Abschnitt der sich Gedichten widmet. Nun ist der gemeine „Metalhead“ ja eher an Zwergen, Drachenschlachten und Bier interessiert, Gedichte sind nicht gar so verbreitet in der Szene, wie bist Du denn dazu gekommen?

PU: Ich hab meine Gedanken schon immer niedergeschrieben, das ist völlig natürlich für mich. Ich liebe außerdem Sprachen und wann immer ich irgendwo hinkomme, ob nun auf Tour oder einer Reise, versuche ich so viel wie möglich zu verstehen. Ich weiß nicht, ob das was ich da mache nun Gedichte sind oder ich gar ein Dichter, aber es ist schon wahr, dass ich immer versuche, den Sachen, die ich schreibe, eine bestimmte Form zu geben. Damals, als Teenager, als ich mich schlecht und missverstanden gefühlt habe, hab ich angefangen auf Englisch zu schreiben. Ich wollte dabei auch die Sprache lernen, die neben Luxemburgisch, Deutsch und Französisch die vierte Sprache ist, die man hier in der Schule lernt. Es hat lange gedauert, bis ich angefangen habe auf Deutsch und Französisch zu schreiben, aber ich meinte das tun zu müssen, denn ich finde, dass man mache Sachen nur in bestimmten Sprachen sagen kann und das dann auch nur schwer übersetzen kann.

H: In Max Cavalera habt Ihr ja einen sehr bekannten Unterstützer gefunden, Ihr habt Euch schon mehrmals die Bühne geteilt, wie habt Ihr ihn kannengelernt?

PU: Ehrlich gesagt hab ich ihn einfach ein, zwei mal angesprochen. Ich weiß noch, dass er einmal, als wir vor ihnen gespielt haben, seitlich auf der Bühne stand, so dass er unseren Auftritt sehen konnte, ohne dass die Leute ihn dabei sahen. Ein paar Tage später hab ich ihn am Bus gesprochen und hab mich bedankt, dass er uns mit auf Tour genommen hat, er war total ruhig und nett, ich denke er ist ein echt netter Kerl. Später hat er dann sowohl bei ihrem Auftritt als auch bei Interviews im Fernsehen oder bei Titelseiten-Fotos ein dEFDUMp-Shirt getragen. Ich denke also mal, dass er mag was wir so machen und uns eben auf diese Weise unterstützt, das ist aber eher symbolisch oder auf nem spirituellen Level, richtig kennen tun wir uns nicht.

H: Musikalisch gesehen habt Ihr nicht allzu viel mit Soulfly gemein. Wo liegen Eure Einflüsse, was hat Euch damals veranlasst selbst ein Instrument in die Hand zu nehmen und was sind Deine Lieblingsalben dieser Tage?

PU: Oh, das sind ja drei Fragen auf einmal! Es gibt mittlerweile keine Band mehr, die uns alle inspiriert oder auf die wir uns alle einigen können. Da gibt’s echt kaum was, vielleicht gabs vor ein paar Jahren ein paar Bands, die uns beeinflusst haben, aber heute glaube ich, dass alles, was uns umgibt Einfluss auf uns hat, besonders das Leben an sich hat uns wohl mehr beeinflusst als jegliche Musik.
Ich weiss auch gar nicht mehr, was mich damals bewogen hat Musiker werden zu wollen, ich weiß nur, dass ich mein ganzes Leben über ein besonderes Verhältnis zu Musik habe. Kürzlich hab ich ein altes Foto gefunden, wo man mich mit einem riesigen Walkman sieht, wie ich gerade meine besten Tanzmoves zeige, das war 1983, ich war sieben Jahre alt und bereits da offensichtlich schon total musikbesessen. Wenn ich bloß wüsste, was auf dem Tape in dem Walkman war, ich wünschte ich wüsste noch wozu ich da getanzt hab. Ich nehme mal an, dass das Tape einer der Gründe für mich war Sänger zu werden.
Und mit den Lieblingsalben weiß ich nicht so recht... meinst Du die All Time-Faves oder eher so aktuelle? Wie auch immer, ist so oder so schwer zu sagen. Leider hab ich in der letzten Zeit auch nichts richtig cooles aufgetan, vielleicht werd ich ja langsam alt! Ein paar nicht ganz so neue Alben, die ich wirklich mag sind “Mew – and the glass handed kites” und “Dredg – catch without arms”.

H: In ein paar der Besprechungen zu Eurem neuen Album tauchte der Begriff Metalcore auf. Stimmt Ihr da zu, könnt Ihr mit dem Begriff etwas anfangen, was bedeutet der Begriff für Euch und wie würdet Ihr Euch selbst bezeichnen?

PU: Ach, das ist uns völlig egal, solche Bezeichnungen sind ja immer sehr der Mode unterworfen und kommen und gehen, Mode hält eine Saison vor, während Stil für immer hält.
Emo hat vor 15 Jahren beispielsweise noch eine völlig andere Art von Musik bezeichnet. Vor ein paar Jahren war dann Metalcore der heiße Scheiß und seither wird alles immer Post-irgendwas genannt. Ich finde die Veränderung in der Bedeutung dieser Begriffe sehr interessant und würde mich auch für eine ausführliche Nachforschung zu dem Thema begeistern. Wenns dann aber darum geht sich  darum zu streiten was cool oder uncool ist, ob Metalcore tot ist, ob Screamo Sellout ist usw., dann sorry, dann bin ich raus!
Mir ist also im Prinzip jede Kategorie recht, weil ich nämlich selbst nicht weiß, wie man unsere Musik kategorisieren sollte, außer eben so, dass man sie sich selbst anhören muss um sich ein Bild zu machen!

H: Ihr seid alle Vegetarier. Es gibt jede Menge (gute) Gründe sich fürs Vegetariertum zu entscheiden, was hat Euch dazu bewogen?

PU: Ich denke, da hatte jeder so seine eigenen Gründe. Ich war schon seit Kindesbeinen an ner Menge ökologischer Projekte beteiligt und als ich dann zum ersten Mal mit Massentierhaltung konfrontiert wurde, war ich wohl zwischen 10 und 11 Jahre alt. Das Thema war also stets präsent, ich wurde dann aber erst Vegetarier, als ich daheim ausgezogen bin und mich selbst um meine Mahlzeiten gekümmert habe.

H: Ihr seid in vielerlei Hinsicht sehr aktiv und engagiert, z.B. hat Eure Release-Show zum letzten Album zwar keinen Eintritt gekostet, die Leute waren aber angehalten haltbare Lebensmittel für ein lokales Projekt mitzubringen. Gibts da Bands, die Euch in Sachen Kombination von Musik und Aktivismus/Politik beeinflusst haben und findest Du das sowas gut zusammengeht?

PU: Als Kind hab ich viel Midnight Oil gehört, und obwohl die Leute die Band nur wegen ein, zwei Hits kennt, war das doch eine sehr wichtige Band für mich. Die sind neben New Model Army für mich bis heute eine der politischsten Bands überhaupt. Ob das zusammenpasst? Keine Ahnung, ist mir auch egal. Ich bin da auch rein persönlich motiviert, ich will da niemand mit irgendetwas missionieren oder so! Mir ist auch egal, ob die Leute Bono oder Bob Geldorf, weil sie eben ne Menge Geld verdienen, als Heuchler bezeichnen. Es ist schließlich immer besser etwas wenn jemand etwas tut um die Welt besser zu machen anstatt wegzuschauen und das Offensichtliche zu ignorieren.
Für mich war Musik immer eine Kunstform und ich glaube das Kunst auf die ein oder andere Art ein Spiegel der Gesellschaft ist, insofern ist der Versuch sich künstlerisch zu bestätigen an sich ja schon politisch.

H: Und nicht nur die Musik ist etwas ganz eigenes, auch das Artwork und die gesamte visuelle Seite der Musik sind etwas besonderes. Sag doch mal was zur Doppel-CD-Version des Albums.

PU: Das war uns schon immer sehr wichtig die visuelle und textliche Seite zu verbinden, weil wir das ganze ja als künstlerischen Ausdruck sehen, der verschiedene Disziplinen vereint.
Die Texte sind nur in Teilen abgedruckt und auf dem CD-ROM-Teil sind sie dann ganz zu finden. Zudem gibt’s auf der zweiten CD noch ein paar Videos und exklusives Bonusmaterial. Wir versuchen unseren Hörern immer das bestmögliche zu bieten und da wir das mit ganzem Herzen machen investieren wir eben auch unsere ganze Zeit da rein.

H: Wenn ich mir mal ein paar Liveclips bei youtube anschaue, dann stellt sich mir die Frage: wie wichtig ist der Performance-Aspekt bei Liveshows für Euch? Denkt Ihr darüber nach, wie Ihr rüberkommt oder geht das einfach so seinen Weg?

PU: Das geschieht einfach so, wir denken nicht darüber nach wie wir aussehen oder was wir machen. Wir planen da auch nichts, sondern sind sehr spontan, keine Show gleicht der anderen und wir spielen nie die gleiche Setlist ein zweites Mal. Beim Spielen gehts nur um dieses Gefühl der Lebendigkeit und in dieser besonderen Situation darf jeder tun und sagen was er will, wir versuchen einfach nur Spaß zu haben.

H: Zum Abschluss die beliebte Frage nach der Traumtour, was wären die perfekten bekannten Bands für eine gemeinsame Tour?

PU: The Mars Volta, Dillinger Escape Plan, Converge, Sepultura (Originalbesetzung) und noch ne ganze Menge anderer Bands. Obwohl, für uns ist es natürlich immer cool mit ner bekannten Band zu spielen, wenn also Metallica oder Slayer uns unbedingt als Opener auf ihrer nächsten Tour haben wollen, dann wär das schon ok für uns! (lacht)

H: Na dann mal danke für die Zeit und das Interview, viel Erfolg weiterhin!

PU: Danke Dir und machs gut!

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Review: This Is Forevermore, 2007 (tj)