. .
  • Darkest Hour

    Bilder/slide/darkestHour2014_slide.jpg

    Mit ihrem selbstbetitelten Album gehen Darkest Hour neue musikalische Wege. Die Scheibe ist sicherlich eine der interessantesten der ... more

    Darkest Hour
  • Mantar

    Bilder/slide/mantar_slide.jpg

    Mantar sind das erste deutsche Signing von Svart Records. Ihr Debüt „Death By Burning“ ist in der Szene eingeschlagen ... more

    Mantar
  • Beastmilk

    Bilder/slide/beastmilkslide.jpg

    Mit ihrem Album „Climax“ haben die Finnen von Beastmilk eine echte Überraschung vorgelegt. Von null auf wow sozusagen. ... more

    Beastmilk
  • Sahg

    Bilder/slide/sahg_slide.jpg

    Die Norweger von Sahg haben mit ihrem vierten Album “Delusions Of Grandeur” ein rundum starkes Werk in Sachen Prog-Metal ... more

    Sahg
  • Dave Hause

    Bilder/slide/DaveHauseSlide.jpg

    Dave Hause Dave Hause ist derzeit in aller Munde. Der Ex-Frontmann von The Loved Ones hat sich in den letzten ... more

    Dave Hause

 

„Broadcasting...“ heißt das dritte Album der Kanadier, erneut auf Victory Records erschienen. Comeback Kid rechnen darin inhaltlich mit den Medien ab und geben sich gleichzeitig sehr persönlich. Musikalisch setzt die Band einen drauf, was angesichts zwei in den Himmel gelobter Vorgängeralben nicht so einfach ist. Ich habe Comeback Kid Sänger Andrew Neufeld im Rahmen der Record Release Tour am 24.02.2007 in Bochum getroffen und ausführlich mit ihm über das neue Album gesprochen.

Ich habe mein letztes Comeback Kid Interview Ende 2004 gemacht. Seit diesem Zeitpunkt hat Comeback Kid sich eine unglaubliche Fangemeinde erspielt und einen besonders schwierigen Besetzungswechsel bravourös gemeistert. Warum hat Euer Sänger Scott die Band verlassen? Gab es einen Zeitpunkt, zu dem Ihr gedacht hattet, dass sich jetzt die gesamte Band auflösen wird?

Scott verließ die Band, weil er einfach das Ganze nicht mehr machen wollte. Diese Art von Lebensstil ist sehr schnelllebig und er wollte einfach andere Dinge machen. Die ganze Zeit auf Tour zu sein, das ist nicht für jeden was. Er hatte damit so seine Probleme, deshalb hat er sich entschieden andere Dinge zu machen. Für uns war das so wie „Oh, jetzt müssen wir weitermachen“,  und dann haben wir angefangen ein neues Album zu schreiben. Jetzt ist das Album veröffentlicht und alles fühlt sich gut an.

Mit dem Verlust Eures Sängers Scott Wade hast du die Vocals übernommen. Das ist keine leichte Aufgabe. Ich denke, du machst das großartig. Seid Ihr Euch eigentlich bewusst, welch großen Erfolg ihr in den letzten 3 Jahren hattet? Denkst du, dass es das Ergebnis harter Arbeit ist oder hattet Ihr einfach nur Glück? Habt ihr ein Geheimrezept?

Ich weiß es nicht. Ich denke, wir machen einfach unser Ding. Ganz bestimmt arbeiten wir hart. Und es hat natürlich nicht nur Vorteile im Leben. Grundsätzlich investieren wir alles was wir haben in diese Band. Aber wer kann schon sagen, dass derjenige der hart arbeitet, auch Erfolg haben wird oder ob das Glück ist? Ich sagte bereits, dass jeder in dieser Band mit ganzem Herzen dabei ist. Wir versuchen wirklich dieses Ding 100% zu machen. Es ist cool, dass die Leute es mögen, denn wir haben nicht Songs mit der Intention gemacht uns ein Fanpublikum zu erspielen. Wir machen einfach unser Ding, versuchen eine gute Show zu spielen. Wir drehen komplett durch auf der Bühne, versuchen interessante Musik zu machen, ich denke das ist alles was wir tun können.

Wie war Eure Release Show in Winnipeg?

Die war unglaublich. Vor ein paar Monaten haben  wir eine Support Show für Bad Religion in Winnipeg gespielt, das war ein wirklich großes Konzert. Aber neben der Bad Religion Show war es das größte Konzert, das wir je in unserer Heimatstadt als Headliner gespielt haben. Es waren an die 850 Zuschauer anwesend und wir waren richtig aufgeregt. Wir hatten den Deal, dass jeder der ein Ticket für die Show gekauft hat, auch ein Exemplar der neuen CD umsonst bekommt. Der Abend war richtig gut.

Habt ihr an dem Abend alle CDs verkauft?

Wir haben jetzt  vielleicht noch 30 CDs über und wir werden leider nicht vor Mittwoch neue CDs bekommen. Victory, unser Label hat alle CDs in den Vereinigten Staaten und deshalb müssen wir sie hierher bringen lassen. Ist das nicht krass? Auf unserer CD Release Tour spielen wir vier Konzerte, an denen wir keine CDs haben. Das ist wirklich toll Comeback Kid!

Wie kommt es, dass ihr Eure neue Platte zuerst in  Europa und dann in den USA promotet? Habt ihr eine spezielle Verbindung zu Europa? 

Nun, wir touren in den USA und in Kanada im Anschluss an diese Tour.

Aber zuerst seid ihr ja in Europa?

Ja, das hatte sich einfach so ergeben. Ich hatte dir bereits gesagt, dass Deutschland wahrscheinlich eines der besten Orte in Europa für uns  ist.

Besser als in den USA?

Es gefällt mir besser. Ich denke,  die Leute hier schätzen das, was wir tun, mehr. Es macht den Anschein, als ob Leute hier mehr zu begeistern sind.

Was genau ist anders?

Ich denke in Amerika ist es mehr so eine Trendsache: Bands kommen und gehen. Am nächsten Tag sind sie nicht mehr cool. Das geht so rauf und runter. Vor allem das Festland Europas wirkt sehr konstant, was seinen Musikgeschmack betrifft.

Nennt man Europa deshalb die „alte Welt“?

Nanouk, unser Tourmanager hat gestern dasselbe gesagt. Die deutschen Fans sind die treuesten. Ich denke, dass das der Wahrheit entspricht. Für eine Band ist es nicht leicht ein drittes Album zu veröffentlichen, vor allem dann nicht wenn man einen neuen Frontmann hat. Unsere beiden ersten Alben kamen sehr gut an und jetzt erscheint unser drittes Album: wir haben unseren Sound etwas verändert, wir wollten uns als Band entwickeln, andere Dinge machen als zuvor und den Leuten gefällt es noch immer. Ich bin sehr glücklich, dass wir nach Europa gekommen sind. Ich denke jetzt, wo wir wissen wie gut das ist, werden wir ein weiteres Album aufnehmen und werden genau dann, wenn das Album erscheint direkt zurückkommen! Nächste Woche fahren wir nach Großbritannien und touren zusammen mit Alexisonfire. Danach fliegen wir zurück nach Kanada und starten unsere US Tour direkt am darauf folgenden Tag.

Letztes Jahr habt Ihr euer drittes Album zusammen mit Bill Stevenson im “Blasting Room” aufgenommen wie zuvor euer Album “Wake The Dead”. Wann habt Ihr dieses Album geschrieben? Ihr seid doch permanent auf Tour?

Ich beschreibe es mal so: ich geh die Straße entlang, fahr Fahrrad oder wo immer ich auch gerade bin, da fällt  mir dann ein Riff ein. Ich singe es in mein Mobiltelefon. Wenn ich Zeit habe, höre ich mir das dann an, versuche mich zu erinnern und spiele das auf Gitarre und zeige es den anderen Jungs. Von Zeit zu Zeit haben wir auch etwas frei zwischen zwei Touren, sagen wir mal 3 Wochen, dann treffen wir uns zum proben jeden Tag.

Ihr trefft Euch jeden Tag im Proberaum?

Ja, von Montag bis Freitag.

 Wie viele Stunden am Tag?

Wir treffen uns so gegen ein, zwei Uhr und proben dann bis zum Abendessen oder so; gehen die Songs durch oder versuchen neue Songs zu schreiben. Das kommt uns ziemlich gelegen. Kennst du das Programm „Garage Band“? Wir haben unsere Laptops dabei und nachts schreibe ich ein paar Songs, mache meine eigenen Drumbeats dazu und dann gebe ich den Jungs eine CD.

Wer hat die meisten Songs auf der neuen Platte geschrieben?

Ich habe eine Menge geschrieben und Jeremy hat viele Riffs gemacht. Danach haben wir mit Kyle geprobt, die Songs ausgearbeitet. Kevin kommt am Schluss, denn er lebt in Minneapolis.

Das neue Album hört sich offensichtlich viel wütender an als alles andere, was ihr zuvor gemacht habt. Ich denke es ist euer brutalstes und schönstes Album zugleich. Was das Songwriting angeht, passt alles perfekt zusammen. Die Texte zeigen eine neue verzweifelte Seite an Comeback Kid, die ich so nicht kenne. Keine Posi-Texte.

Denkst du die alten Texte waren Posi?

Ja, ich denke schon. Ihr zeigt jetzt mehr düstere und verzweifelte Seiten in Euren Texten. Ich liebe auch diese genau abgestimmten Gitarrensoli auf der neuen Platte. Das ist für eine Hardcoreband nicht üblich, das hört man eigentlich eher bei den Metalbands.  Denkst du, dass „Broadcasting..“ das beste Album ist, dass ihr bisher gemacht habt?

Meiner Meinung nach ist es das Beste, was wir bisher gemacht haben. Es sind  die besten Songs, die wir je geschrieben haben. Und es fühlt sich echt gut an diese Platte zu haben, denn wir wollten kein drittes Album schreiben, von dem alle enttäuscht sind, wir und das Publikum. Wir sind sehr glücklich. Der Sound, den wir im Blasting Room hatten, war einfach fantastisch. Wir hatten einen fetteren Sound als bisher, und das wollten wir schon immer haben. Wir wollten schon immer eine sehr melodische Band sein und zugleich super hart, einfach Hardcore! Hardcore und Punk. Weißt du, viele Bands tendieren in diese Screamorichtung, sobald sie melodischer werden und genau das wollten wir nicht. Abgesehen von Jeremys neuer Langhaarfrisur werden wir unseren Sound nicht zu sehr verändern (lacht).

Euer neues Album hat starke Anleihen an den Punkrock. Könnte eine der Gründe Euer Produzent Bill Stevenson  sein, der bereits mit Bands wie Lagwagon, Rise Against, 7 Seconds und Anti Flag gearbeitet hat oder seid ihr selbst mit diesen Ideen gekommen? 

Was die Songideen angeht, stammt alles aus unserer Feder. Ich weiß, dass sich einige Bands im Studio von den Produzenten viel zu viel einreden lassen, aber ich habe eine klare Vorstellung davon wie sich etwas anhören soll, wenn ich ins Studio gehe. Die Art und Weise wie Bill Stevenson eingewirkt hat, sah in etwas so aus: „Okay, sing diese Gesangslinie mal so oder probier das mal anders aus...versuch mal bei diesem Part so zu singen...“  Ich denke das ist okay. Wir haben also etwas experimentiert, was die Feinabstimmung angeht. Die Songstrukturen gab es bereits. Wir haben nur an den Feinheiten gearbeitet.

 Wie lange habt ihr daran gearbeitet?

Wir hatten ca. 3 Wochen im Studio. Das war ziemlich geballt. Wir hatten eine Deadline und haben wirklich sehr hart gearbeitet und die Zeit, die uns zur Verfügung stand voll ausgeschöpft. Die Jungs waren wirklich gestresst. Ich denke, dass Jason Livermore und Bill Stevenson ziemlich unter Druck standen, denn sie hatten eben erst ein dreimonatige Produktion mit Puddle of Mud hinter sich. Das musste ich jetzt einfach mal nebenbei erwähnen.  Sie hatten nur einen freien Tag zwischen diesen beiden Produktionen und haben mit uns 13 Stunden am Tag geackert, einfach nur verrückt.

Kannst du mir etwas über den Albumtitel “Broadcasting” verraten? Worum geht ´s?

Der Titel basiert auf dem zweiten Song dieses Albums. Es geht um die Medien und welche Macht und Beeinflussung von Ihnen ausgeht. Ich weiß nicht, wie das in Europa ist, aber in Nordamerika, und besonders in den USA werden die Leuten ständig von den Medien gewarnt. Das gemeine Volk wird immer vor Dingen wie alle möglichen Gefahren, Terror etc. gewarnt. Und manchmal ist es echt schwierig zu beurteilen, was davon wahr ist, wem man glauben kann. Was davon sind einfach nur Hilfsmittel der Regierung ist, die versucht den Leuten eine bestimmte Gesinnung ins Herz zu pflanzen? Ich denke, wenn sie nur Furcht und Angst säen können, dann sind Menschen einfacher zu kontrollieren. Wir sind nicht wirklich eine politische Band. Es ist einfach ein Thema, das mich beschäftigt. Die Medien versuchen uns immer Angst zu machen. Ich hinterfrage die Motive und woher das kommt? Ich fühle mich etwas abseits davon.

Warum abseits davon?

Wie ich bereits sagte: es ist dieser Prozess dahinter zu kommen, wer der wahre  Feind ist. Verstehst du was ich meine?

Lass uns über die Texte reden. Ich habe mir drei Songs ausgesucht. Das Album beginnt mit dem Song “Defeated”. Der ganze Song klingt so absolut aggressiv und du schreist dir die Seele aus dem Leib. Im Gegensatz dazu klingt der Text so verzweifelt und düster. Der Song endet mit der Zeile  “I´m too exhausted for the long haul and I´m kneeling defeated” – “ Ich bin zu erschöpft, das zieht sich jetzt schon so lange hin und ich ergebe mich kniend“. Wer hat dich bezwungen? 

Ich habe den Song nicht zu einer bestimmten Situation geschrieben. Wenn du eine Freundschaft oder Beziehung hast, dann gibt es Momente und Situationen in denen du streitest.  Egal was für eine Freundschaft es ist, manche Menschen wollen dein Verhalten bestimmen und dich wie eine Kopie ihres Selbst formen. Es ist wie, als ob dich jemand ständig verändern möchte und dieser Mensch redet ständig auf dich ein und bedrängt dich. Manchmal muss ich Leute etwas ausbremsen. Ich möchte nicht verändert werden. Ich mag mich selbst, wie ich bin. Der Song handelt genau von dem Punkt, an dem man sagt: „Du engst  mich ein...ich kann es nicht mehr ertragen! Ich fühle mich so erschlagen, das Streiten hat mich so müde gemacht!“ Das ist genau der Punkt, an dem du nichts mehr machen kannst, weil du dich so erschlagen fühlst.

Was Text und die Musik angeht,  fand ich den Song „Hailing On Me“ besonders stimmig. Der Song startet mit einem sehr verzweifelten Gefühl, bis ungefähr um 1.20 Minute, als du “It all depends on the delivery”  singst. Der Tenor des Songs verändert sich und er klingt etwas hoffnungsvoller. Kannst du mir etwas zu diesem Song erzählen? Was kommt da an die Oberfläche? 

Nun, es ist etwas, das an die Oberfläche kommt. Aber es ist mehr so, als ob du etwas Falsches machst und du realisierst, dass du dich verstecken musst, deine Spuren etwas verwischen musst. Das ist der Part, in dem ich singe, dass alles von dieser Auslieferung abhängig ist. Ich habe diesen Song nicht unbedingt über mich selbst geschrieben. Es ist in der ersten Person geschrieben und ich liebe es mit Texten zu spielen und Dinge einfach hin – und herzuverändern. Diese „Ablieferung“ bezieht sich auf eine Situation bei der du z.B. etwas versaust und versuchst es dann zu vertuschen. Du brauchst eine gute Ausrede in dieser Situation, wenn du etwas unrichtiges tust und es aufgedeckt wird. Der Song handelt eigentlich grundsätzlich davon auf frischer Tat erwischt zu werden, wenn man das dann vor sich selbst zugibt und hofft, dass das auch kein anderer herausfindet. Man versucht das dann zu vertuschen und stellt fest, dass es nicht klappt und alles stürzt auf dich ein. Es sind einfach diese Gedanken, die dir dann durch den Kopf gehen. Ich wollte das einfach etwas erforschen.

 „Industry standards“ – ich zitiere: “None of my questions have answers yet but iI´m not dettered  from asking them” – „Keine meiner Fragen wurden bisher beantwortet, dennoch schrecke ich davor nicht zurück sie zu stellen.“ Welche Fragen sind das?

 Ich weiß nicht, ob ich dir eine präzise Antwort darauf geben kann.

Möchtest du nicht?

Ich weiß nicht...(überlegt)...

Wird es dir an diese Stelle zu persönlich?

 Nein, es sind unbestimmte Fragen.

“Distractions, keeping us away”- Die Ablenkung hält uns fern- wovon? Warum Ablenkung? Was ist Ablenkung für dich? 

Du darfst dich glücklich schätzen, denn eigentlich rede ich nicht über die Bedeutung meiner Texte. Mit Ablenkungen meine ich die Musikindustrie und den Druck, den sie auf die Bands aufbaut, um sich Geld in die eigene Tasche zu schieben, Platten zu verkaufen für ein bestimmtes Image oder was auch immer. Ich denke der Song „Industry Standards“ ist über die Musikindustrie und wie viele Dinge dort vor sich gehen. Bands sind die Opfer davon und gleichzeitig für diese Entwicklung verantwortlich. Das ist so: eine Band veröffentlicht eine Platte und die verkauft sich gut, dann möchte die Band das nächste Level erreichen, das Label auch- Labels machen Versprechungen, die Labels möchten dieses Image an die Zuhörer verkaufen und alle diese Ablenkungen und Umwege halten die Menschen von dem eigentlich ab- der Musik. Das ist genauso wie wenn die Plattenfirma bestimmt, dass eine Band zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Platte veröffentlichen muss. Das ist totaler Schwachsinn. Bands sollten dann Musik schreiben, wenn sie es möchten. Musik sollte nicht etwas sein, was man einer Person abverlangt und abfordert. Ich denke Musik ist etwas, das vom Herzen kommen soll und es ist so leicht abgelenkt zu werden und genau dann auch nicht das Beste an Musik zu schreiben. Man schreibt dann Musik zweiter Klasse. Und genau das kannst du heute bei vielen Bands hören. Das sind genau die Bands die alle wie ein und dieselbe Band klingen. Es geht darum richtig gute Musik zu machen und nicht über die Musikindustrie frustriert zu sein und die Maschinerie drum herum, die das ganze nicht mehr authentisch macht.

Andrew, du hast im FUZE Magazin gesagt, dass du manchmal das Ganze hier für ein Jahr beenden möchtest. Ich glaube, vielen Menschen ist es nicht bewusst, was es bedeutet permanent auf Tour zu sein. Das bedeutet auch keine Zeit für Freundschaften, Beziehungen und Familie. Wie geht ihr damit um? Habt Ihr auch ein Leben neben Comeback Kid?

Ich versuche es. Aber das ist schwer. Ich war eben erst eine Zeit lang zu Hause. Irgendwie mache ich es mir schwer, denn ich beschäftige mich immer. Ich mache Comeback Kid, und dann wenn ich das nicht mache, gehe ich nach Hause und habe eine Band mit meinem Bruder und wir spielen Konzerte und dann mache ich noch andere Sachen, auch andere musikalische Projekte und ich bin somit immer beschäftigt. Aber ich war eben erst zu Hause, nur für ein paar Tage in drei Monaten oder so und das ist echt scheiße! Mal abgesehen von der ganzen Beziehungskiste, wenn du eine Band hast, die permanent auf Tour ist, dann ist es hart eine Beziehung zu haben, denn du hast nie Zeit für deine Freundin. Dasselbe ist  mit normalen Freundschaften. Ich hatte mal viele Freunde und habe eine Menge verloren. Wenn ich nach Hause gehe, dann bin ich ziemlich aufgedreht meine Freunde zu sehen. Ich freue mich wirklich darauf und es ist manchmal echt schwer in Kontakt mit den Menschen zu bleiben, wenn du unterwegs bist. Man hat nicht immer Internet, man kann nicht immer anrufen und manchmal vergessen deine Freunde, dass du zu ihrem normalen Leben dazu gehörst. Sie müssen mit ihrem normalen Leben weitermachen, aber manchmal denke ich, ist es einfach nervig. Weißt du, wir haben nicht viel Zeit mit den Menschen, die wir lieben. Aber ich denke das ist der Preis, den wir für das hier bezahlen. Ich meine, ich liebe Comeback Kid und ich möchte das für eine lange Zeit machen, aber es wäre schön eines Tages sagen zu können:“ Hey, ich möchte für 6 Monate nach Thailand gehen!“ Ich hatte nie die Chance so was zu machen, mal wo hinzugehen ohne Ablaufplan. Das ist so ein Gefühl, aber zur selben Zeit sind wir so glücklich, dass wir das hier machen können. Das ist ziemlich cool, dass wir jetzt hier in Deutschland sind, Chicken Wings essen und ...lacht... weißt du, jeder hier ist so nett und wir werden sehr gut behandelt. Wir können uns echt nicht beschweren.

Ist Figure Four tot?

Irgendwie.

Es gab nie ein offizielles Statement

Nein.

Wird es ein Statement noch geben?

Vielleicht, ich weiß es nicht. Eine zeitlang wollte ich ein paar Abschiedskonzerte machen, aber ich habe nie Zeit das zu machen. Mike und Bailey spielen bei Cancer Bats. Sie kommen im Mai zusammen mit Rise Against nach Deutschland.

Was ist mit Metal Mel?

Sie hängt ab. Wir haben sie gefragt, ob sie mit auf unsere US Tour kommt, da unser Merchandiser kurzfristig abgesagt hatte, aber ich denke sie kann es nicht machen. Das ist ziemlich schade.

Was denkst du über die Entwicklung der Hardcoreszene? Magst du, was du weltweit siehst? Gibt es Unterschiede?

Manchmal denke ich, dass Hardcore etwas stehen bleibt heutzutage. Nimm als Beispiel diese neueren Bands. Ich mag viele der neuen Bands, aber es kommt nicht viel an Innovativem und wenig davon berührt mich. Ich weiß nicht, ob das beispielsweise daran liegt, dass ich älter geworden bin. Es ist einfach so, dass mich Musik im Allgemeinen nicht sehr schnell begeistert im Moment.

Was begeistert dich denn? Welche Bands und welche Solokünstler?

Oh, was mir im Moment am besten gefällt? Es gibt Bands, die ich schon seit Jahren höre. Meine Lieblingsband ist Propagandhi. Madball ist eine meiner Lieblingshardcorebands, ich höre sie schon sehr lange und dann sind wir mit Ihnen letztes Jahr auf Tour hier in Europa gegangen und das war total ...“Hach, ich liebe euch sooooooooo sehr“ und eine Band namens MEW aus Dänemark hilft mir über sämtliche Situationen hinweg. Ich höre auch gerne so Singer- und Songwriterkram und chillige Musik. Ich denke Rise & Fall ist vielleicht eine meiner Lieblinge unter den neueren europäischen Bands.

Erinnerst du dich an die Motivation, als du mit dieser Band angefangen hast?

Ja, ich habe bei Figure Four gesungen und ich wollte unbedingt Gitarre spielen in einer Band. Und ich wollte so viel mehr machen als ich bei Figure Four machen konnte. Figure Four war sehr heavy, es sollte nicht eindimensional sein, wir wollten eine Band die melodischer ist und einfach offener ist für andere Einflüsse. So kam es zu Comeback Kid.

Was ist jetzt die Motivation?

 Ich weiß es nicht...

Du spielst nicht mehr Gitarre...

Ich vermisse es Gitarre zu spielen, aber ich mache die Band sehr gerne. Die Konzerte die wir im Moment spielen, waren ziemlich abgefahren und mit der neuen Platte fühlt es sich an, wie wenn neues Leben in die Band kommt. Das ist sehr cool, denn die Leute sind total begeistert von der neuen Platte, und wir haben ein starkes Gefühl, wenn wir die neuen Songs spielen. Zumindest fühlt es sich gut an neue Songs zu spielen. Die Motivation, das zu tun ist einfach: wir reisen gerne und sind gerne mit unseren Freunden zusammen, die Konzerte sind großartig. Wir teilen unsere Ideen gerne mit anderen Menschen. Wir haben nicht wirklich ein Image, was wie verkaufen wollen oder so was ähnliches. Wir sind einfach ehrlich und ich denke, wir werden einfach weiter unser Ding machen, versuchen ehrlich zu bleiben und wir sind auch nicht auf einer Mission oder sonstiges. Ich denke es ist besser eine ehrliche Leidenschaft als Band zu haben, als ein Produkt, bzw. Image zu verkaufen.

Ihr habt einen zweiten Gitarristen mit auf Tour dabei. Ist das ein Freund?

Sein Name ist Casey und wir heuern ihn mittlerweile bereits seit einem Jahr an. Er tourt immer mit uns als Band und somit ist er eigentlich in der Band.

Ein paar Worte zum Abschluss?

Danke Conny. Danke, dass ihr dieses Interview gelesen habt und euch für unsere Band interessiert. Ich hoffe, es war nicht zu langweilig für euch...(lacht).. und danke an alle, die unsere Musik hören, auf unsere Konzerte kommt und uns unterstützt, das ist cool. Ich hoffe, das gibt euch etwas, denn für uns ist es so.

Kommt ihr zurück?

Wir kommen dieses Jahr zurück. Das hoffe ich.

Cornelia Schmitt

Dieser Artikel wurde 1147 mal gelesen

Interview: Interview mit Sänger Scott Wade (2005)
Interview: Interview mit Frontmann Andrew zum neuen Album "Symptoms & Cures" (2010)
Review: Wake The Dead, 2005 (rg)
Review: Broadcasting, 2007 (rg)
Review: Symptoms And Cures, 2010 (rg)
Review: Die Knowing, 2014 (rg)
Live-Review: 07.11.2005, Arnheim, NL - Goudvishal
Live-Review: 12.11.2005, Leipzig - Conne Island
Live-Review: 06.05.2006, Münster - Sputnikhalle
Live-Review: 24.02.2007, Bochum - Matrix
Live-Review: 11.04.2009, Wil (CH) - Remise
Live-Review: 24.04.2015, Zürich - Komplex 457