Architects - The Here And Now
Die Architects aus dem englischen Brighton haben seit der Veröffentlichung ihres Zweitwerks „Ruin“ eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Vom heißen Geheimtipp zum international tourenden Act, der auf keiner wichtigen Tor bzw. Festival fehlt. Auf ihrem Century Media Debüt „Hollow Crown“ zeigte sich die Band gereift und mit einem eigenständigen Sound. Wütend, metallisch genug aber eben auch nicht zu metallisch, düster, bissig, verschroben und doch eingängig und vor allem originell. Auf Tour wurde die Band diesem Stil laut Eigenauskunft allerdings überdrüssig und man wollte sich für das nächste Album verändern. Jetzt liegt „The Here And Now“ vor und die Band hat sich in der Tat stark verändert. Im Grunde haben sich die Briten einer kompletten Frischzellenkur unterzogen. Die Band hat die melodischen Elemente deutlich nach oben geschraubt. Frontmann Sam singt nun über weite Strecken melodisch. Sein böses Shouting kommt zwar nach wie vor zum Einsatz, es wurde aber deutlich verringert. Auch die metallischen Einflüsse wurden wieder zurück genommen. Stattdessen kommt wieder deutlicher der Hardcore und sogar der Punk Background der Jungs zum Vorschein. Auch die verschrobenen Riffs, die auf „Hollow Crown“ Vergleiche mit Converge zuließen, sucht man fast vergebens. Stattdessen sind die Songs sehr viel stromlinienförmiger gestaltet worden. In der Grundstimmung klingen die neuen Songs deutlich fröhlicher und positiver. Von vergangener Düsterheit ist nur noch wenig zu spüren. Grundsätzlich ist „The Here And Now“ ein starkes Album. Die Jungs wissen wie sie funktionierende Songs schreiben. Das funktioniert in melodischen Gefilden ebenso gut wie in harten. Die Jungs haben wieder gute Ideen, starke Melodien und sind handwerklich absolut auf der Höhe. Die Songs gehen gut ins Ohr und sind abwechslungsreich. Trotzdem begibt sich die Band mit der Platte auf dünnes Eis. Der Bruch zwischen „Hollow Crown“ und dem neuen Material ist enorm. Viele Fans könnten vor den Kopf gestoßen werden und diesen Schritt nicht so ohne weiteres verzeihen. Es ist schade und auch unverständlich, dass die Band ihre Identität so über Bord geworfen hat und mit diesem Album deutlich weniger originell und eigenständig klingt als das bisher der Fall war. Alte Fans sollten sich das neue Album also zuerst vorsichtig anhören. Isoliert betrachtet ist „The Here And Now“ aber ein gutes Album, das mit Gastauftritten von Andrew Neufeld (Comeback Kid) und Greg Puciato (The Dillinger Escape Plan) auch zwei hochkarätige Gäste am Start hat. (rg)




