Phobiatic - An Act Of Atrocity
Aus aktuellem Anlass stelle ich erneut fest, dass ein wenig Understatement an der richtigen Stelle durchaus seine Vorzüge hat. „One of the most aggressive and Technical Death metal bands that Germany has to offer” kann man auf der Facebook-Seite der vier Essener Jungs von Phobiatic lesen. Ob man jetzt gleich so dick auftragen musste, oder solche Superlativen lieber Bands wie Necrophagist, Obscura und Konsorten überlassen hätte, ist aufgrund dessen, was man auf „An Act Of Atrocity“ serviert bekommt, sicherlich eine berechtigte Frage. Unter Berücksichtigung dieses Anspruchsdenkens muss ich nämlich ganz klar sagen, dass der erste Phobiatic-Langspieler an der Grenze zur ersten deutschen Death Metal-Liga nur entlangschrammt, ohne diese wirklich zu überqueren. Ich will gar nicht bestreiten, dass die Herrschaften, zu denen übrigens ehemalige Mitglieder von Japanische Kampfhörspiele und Jack Slater zählen, ziemlich aggressiv, brutal und auch mit einer ordentlichen technischen Beschlagenheit zu Werke gehen; aber gehört das nicht zum Handwerkszeug einer jeden halbwegs professionellen Death-Kapelle? Von der kreativen Seite aus betrachtet, fallen einige wirklich gute Ansätze innerhalb der elf Stücke auf, die aber leider nur selten zu Ende gedacht werden. „An Unspeakable Creation“, „Slivers Of Glass“ oder der Titelsong sind Beispiele für richtig gut durchstartende Songs, die trotz ihrer relativen Kürze (im Schnitt knapp drei Minuten) doch irgendwie im Mittelmaß versanden. Über die gesamte Länge des Albums tauchen immer wieder solche Platzhalterparts auf, die oft austauschbar wirken und bisweilen sogar Langeweile aufkommen lassen. Der sehr monotone Grunzgesang von Frontmann Christian Markwald verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich, wodurch sich auf „An Act Of Atrocity“ nur wenige Momente finden, die dem Hörer nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Phobiatic scheitern leider daran, einen eigenen Stil zu etablieren, oder sich auf andere Weise von der Konkurrenz abzusetzen. Das Phobiatic-Erstwerk bietet 31 Minuten recht soliden, brutalen Death Metal, in dem einiges an Potential steckt – leider aber auch einige kreative Untiefen, die man besser vermieden hätte. (cj)




