Pilgrim - Misery Wizard
Unter dem Pseudonym Pilgrim fanden sich im Jahr 2010 drei junge Männer zusammen, um dem Gott des Doom Metal zu huldigen. Das aus Rhode Island stammende Trio hat sich der ursprünglichen Form dieser Musik verschrieben, und tatsächlich klingt ihr erstes Album „Misery Wizard“ auch, als wäre es vor Dekaden entstanden. Zwar überrascht die Platte mit einem erstaunlich klaren, transparenten Sound, der aber trotz offensichtlich moderner Aufnahmetechniken eine sehr erdige, fast antike Schlagseite mitbekommen hat. Die sechs Stücke finden also perfekte Rahmenbedingungen vor, um ihre schleppend-majestätische Wirkung voll entfalten zu können. Die Länge der Songs pendelt zwischen fünf und dreizehn Minuten, wobei die Vorliebe der Amis eindeutig Richtung Überlänge tendiert. Wer die Paten für den Pilgrim’schen Sound sind, liegt offen auf der Hand: Black Sabbath-Einflüsse treten zu Tage, ebenso sind auch Pentagram und Saint Vitus kaum zu überhören, aber dennoch verstehen es die Amis, ihre zähen Doom-Walzen mit einem ganz eigenen Klang auszustatten. Dies funktioniert nicht zuletzt aufgrund des leicht gewöhnungsbedürftigen Gesangstils von Frontmann The Wizard, der für einen hohen Wiedererkennungsfaktor sorgt, recht gut. Allerdings bin ich von „Misery Wizard“ nicht gänzlich überzeugt, denn gerade die längeren Stücke sind nach einigen Durchgängen nicht mehr in der Lage, mich fesseln zu können. Manche Riffs werden einfach zu oft wiederholt, beziehungsweise mit denselben Fills und Übergängen (z.B. das immer gleich klingende Gitarrentremolo) verkuppelt, wodurch die Stimmungskurve etliche Male deutlich abflacht. Doch keine Regel ohne Ausnahme, die in diesem Fall „Quest“ heißt. Hier warten die Herrschaften mit einem sehr coolen, rockigen Mittelteil auf, der nicht nur vom Klang her, sondern auch in Sachen Tempo und Rhythmus eine interessante Abwechslung bietet und dieser Musik zusätzliche Facetten verleiht (gleiches gilt für „Adventurer“, allerdings mit Abstrichen). Mehr hiervon hätte der Platte sicherlich gut zu Gesicht gestanden, denn immer wieder kommen Pilgrim dem Abgrund zur Langeweile gefährlich nah. Zwar ist „Misery Wizard“ prinzipiell eine recht gelungene, solide Huldigung an die guten alten Tage des Doom Metal, die zumindest kurzfristig für viel Hörspaß sorgen kann. Auf lange Sicht steckt hier allerdings zu wenig Esprit drin, und so etwas wie einen Dauerbrennereffekt sucht man leider vergebens. (cj)




