The Spirit Tht Guides Us - Innocent Blood
Nachdem „Innocent Blood“ in den vergangenen Wochen auf des Rezensenten Anlage in schwerster Rotation lief, und er sich mit der Beurteilung ebenso schwer tat, konnte er sich nun doch zu einer abschließenden Meinung durchringen. Die Tatsache, dass ihn diese zehn Stücke derartig beschäftigten, spricht allerdings schon für sich allein. Die siebenköpfige Combo The Spirit That Guides Us aus den Niederlanden hat sich in der Vergangenheit bereits einen Namen für unkonventionelle Musik machen können und die Vermischung verschiedenster Genres, wie Rock, Emo, Screamo, Postrock und Hardcore zu so einer Art Kunstform erhoben. Sie selbst bezeichnen ihren Ansatz als Hardgazer, was sich aus den Begriffen Hardcore und Shoegazer zusammensetzt, wobei letzteres ein Subgenre des 80er-Brit-Rock darstellt. Im Detail bedeutet das, sich auftürmende Gitarren- und Synthesizerwände treffen, von derbem Drumming untermauert, auf ruhige, nachdenkliche Passagen, die sich durch hin- und mitreisende Melodieführungen auszeichnen. Als Kontrapunkt warten immer wieder auch schwer verzerrte, quietschende Disharmonien auf die Hörerschaft und verleihen dem Werk so eine surreale Note. Dadurch gelingt es der Band außerdem, Maßstäbe in Sachen Vielschichtigkeit und Abwechslungsreichtum zu setzen. Sehr markant tun sich auch die vokalen Beigaben zu diesem Werk hervor: Schreigesang und wüste Growls vermengen sich mit grandios gesungenen, cleanen Abschnitten zu einer der besten Gesangsleistungen, die ich in letzter Zeit gehört habe. Im Gegensatz zu den zurückliegenden Veröffentlichungen, die entweder in die softe oder die härtere Richtung tendierten, packen die Niederländer aktuell alles auf einmal in den Fleischwolf und erzeugen so eine unglaublich dichte Atmosphäre, die ständig zwischen roher Aggression und tiefgängiger Schönheit hin- und herpendelt. Interessant erscheinen hierbei die rhythmischen Verschiebungen innerhalb einzelner Riffs, die sich oftmals fernab gängiger Schemata bewegen und dennoch niemals unrund erscheinen. Im einen Moment wird der Hörer von schierem Krach erschlagen, nur um im nächsten Augenblick in die ergreifendste Melodie überhaupt geworfen zu werden. So zu erleben bei „Third World War“ oder „This Is How We Demonsrate“. Das ist Songwriting auf höchstem Niveau zelebriert. Mit „Rip Out Your Heart“ findet sich auf dieser Scheibe aber auch ein durchgängig ruhiges, äußert melancholisches Stück, welches insbesondere durch unglaublich emotionalen Gesang zu bestechen weiß: Mehr Gänsehaut geht nicht. „Truth Or Dare“ hingegen ist das genaue Gegenteil. Hier regiert wieder König Chaos, dieses Mal allerdings mit einer Sludge-mäßigen, vertrackten Härte und wild wütendem Geschrei. Eigentlich wäre es durchaus angebracht jeden einzelnen Song genauer zu beleuchten, denn sie sind es zweifellos allesamt Wert. Wir wollen aber auch nicht den Rahmen sprengen, und so begnüge ich mich mit dem bisher Gesagten. Abschließend kann ich eigentlich nur noch hinzufügen, dass mich „Innocent Blood“ (kommt übrigens im blutverschmierten Jewel Case) mit seiner Vielschichtigkeit und der Unmenge an grandiosen Ideen nicht nur schwer beeindruckt hat, sondern vor allem durch die intelligent ausgeklügelten Texte zum Nachdenken über viele unterschiedliche Themen angeregt hat. The Spirit That Guides Us sind definitiv von dieser Welt angepisst, kanalisieren diese Wut aber in durchaus inspirierende Gedanken und vor allem in einen 52-minüten Musiktrip der Extraklasse. Sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber wer vor musikalischen Experimenten nicht zurückschreckt, muss hier praktisch reinhören. (cj)






