Start A Fire - Maybe This World Is Another Planet
Der Titel ihrer aktuellen EP “Maybe This World Is Another Planet’s Hell” wurde von den fünf Stuttgartern Start A Fire bei Aldous Huxley entliehen. Und auch im weiteren Verlauf der acht Stücke kann man noch diverse andere Zitate und Anlehnungen finden: Von Goethe bis Twain werden einige Größen der Weltliteratur verwurstet. Literature Core für gehobene Ansprüche, wenn man so will. Musikalisch bewegen sich die Schwaben in den Gefilden von klassischem Hardcore, inklusive treibender Mid-Tempo-Passagen und etlicher schneller Parts, die öfters auch richtig nach Punkrock klingen dürfen. Auffällig sind die Anleihen aus dem Rock-Sektor, die sich vereinzelt mit unter's Volk mischen und der Musik einen sehr eigenen Sound verleihen. Auch wenn das Songwriting gängigen Bahnen folgt, ist es über weite Strecken doch intelligent und abwechslungsreich angelegt. Allerdings klingt die Platte ad hoc recht gewöhnungsbedürftig, wofür sicherlich einige wenige Rempeleien innerhalb der Songs sowie die etwas eigenwillige, raue Produktion und nicht zuletzt der schmerzverzerrt wirkende Gesang von Shouter Jan verantwortlich sind. Nach zwei oder drei Runden im Player hat man sich aber an den spezifischen Klang gewöhnt, und ich muss sagen, dass “Maybe This World Is Another Planet’s Hell” dann einen sehr sympathischen Charme zu versprühen weiß. Nicht nur, dass das Mädel und die vier Jungs mit einer durchaus tanzbaren Härte aufwarten können, es gelingt ihnen insbesondere bei den emotionaleren Anschnitten vollauf zu überzeugen. Den Höhepunkt markiert das abschließende „Stadt der tausend Tode – Requiem in der Nacht“ in drei Akten, welches nicht nur durch bewegende und – im Gegensatz zum Rest der Songs – komplett auf Deutsch gehaltene Texte punkten kann, sondern auch musiktechnisch einige Überraschungen, wie man sie nicht unbedingt auf jeder Hardcore-Scheibe findet, auf Lager hat. Auf ihrem ersten professionellen Release bieten Start A Fire nicht nur viel Interessantes zu hören, sondern auch ebenso vieles nachzulesen, was den Aufwand lohnt. Und um meinerseits mit einem Goethe-Zitat zu schließen: „Wer mit holden Tönen kommt, überall ist der willkommen“. (cj)




