Rise From Above - Phoenix
Wie der sprichwörtliche Phönix, so erhoben sich 2007 vier Rostocker Hardcore Kids aus der Asche einer kaputten Band und wollten es von da an genau wissen. Auch wenn die Story vielleicht etwas theatralisch rüber kommt, so ist sie doch ein passender Aufhänger für den ersten Langspieler von Rise From Above, der mit dem englischen Namen des Feuervogels betitelt wurde und auch dessen Abbildung auf dem Cover trägt. So glorreich wie die Geschichte des Phönixes gestaltet sich der Genuss dieses Albums dann allerdings nicht. Gleich mit den ersten Tönen des Intros fühlt man sich unwillkürlich an die US Boys von Terror erinnert, und spätestens beim Einsetzen des Refrains vom zweiten Track „Best Of Times“ ist klar, dass die Jungs der Genregröße aus Los Angeles gewaltig Tribut zollen. Den Höhepunkt dieser Huldigung stellt die Hymne „We Are The Underdogs“ dar, die beinahe schon auf eine Identitätskrise der vier Norddeutschen schließen lässt. Nachdem die Scheibe aber einige Runden im Player gedreht hat, zeichnet sich ab, dass in Rise From Above doch etwas mehr als nur ein musikalischer Klon steckt. Durch präzises Spiel, einer ordentlichen Ladung Aggressivität und einem guten Gespür für den Old School Groove gelingt es dem Quartett doch einige Pluspunkte zu sammeln. Mit „New Era“, „Never Let Me Sink“ und „Until The End“ tun sich schließlich doch noch einige positive Überraschungen auf. Vor allem Erstgenanntes hat es faustdick hinter den Ohren und stellt in Sachen Hardcore mit das Beste dar, was ich in letzter Zeit gehört habe. Somit ist es sehr schade, dass gefühlte fünfzig Prozent der Platte dieses Qualitätslevel aufgrund mangelnder Eigenständigkeit weit unterbieten. Vieles klingt einfach zu sehr nach Terror. Wenn man aber einmal annimmt, dass Rise From Above noch auf der Suche nach ihrem eigenen Ding sind, und „New Era“ der erste Schritt in diese Richtung ist, dann kann man sich durchaus sicher sein, dass in Zukunft einiges von den Nordlichtern zu erwarten ist. Bis dorthin ist es aber noch ein weiter Weg, und währenddessen kann ich für diese junge, deutsche Band und ihr Debütalbum „Phoenix“ nur zum Teil eine Empfehlung aussprechen. (cj)




