Bloodspot - The Demon EP
Nachdem der Silberling mit dem Titel “The Demon EP” in meinem CD-Player verschwunden war, erwischte es mich eiskalt aus dem Hinterhalt. Ein kurzes Doublebasevorspiel, schön rauer Sound, “one, two, fuck you”-Einzählen und dann die volle Mosh-Kante. Sehr geil. In den folgenden drei Minuten wurde ich vom Opener „Far From Innocence“ in bester Bay Area-Tradition regelrecht platt gewalzt. Tighte Riffs, ein ballerndes Schlagzeug und ein fieser Shouter, der ein optimales Repertoire aus Grunzen, Schreien und Keifen sein eigenen nennen kann, treffen bei mir voll ins Schwarze. Kein schlechter Auftakt in die EP, die das erste Lebenszeichen von Bloodspot darstellt. Die aus dem Hessischen stammenden Metal Heads gründeten sich vor vier Jahren und mussten sich zunächst mit einigen Besetzungswechseln und einer wenig zufrieden stellenden Demoaufnahme herumärgern, bevor es ihnen schließlich gelang, die vorliegende Platte auf die Menschheit loszulassen. Auch das an zweiter Stelle rangierende „This Demon“ drückt ordentlich auf die Tube und macht klar, dass sich die Jungs nicht nur aus der Thrash-Wühlkiste bedienen, sondern auch gehörig tief in die Jagdgründe des Death Metal vordringen. Außerdem kommen im Mittelteil die Freunde des gepflegten Klampfensolos voll auf ihre Kosten. „In Honesty“ klingt dagegen wesentlich moderner und wird von schwedisch angehauchten Gitarren-Leads dominiert, wobei aber die Spritzigkeit, mit der die ersten beiden Stücke zu gefallen wussten, auf der Strecke bleibt. Geht den Jungs von Bloodspot etwa nach zwei Songs bereits die Luft aus? Abwarten. Im Anschluss fährt „Taste The Cancer“ zwar wieder deutlich mehr Härte auf, aber die beiden Hauptriffs sind nicht viel mehr als ausgelatschte Huldigungen an die 80er/90er Jahre. Ziemlich belanglos. Der fünfte und gleichzeitig letzte Track besinnt sich dann aber wieder auf die Stärken der ersten beiden Nummern. Ziemlich kompromisslos prügelt man sich volle sechs Minuten lang durch verschiedenste Tempobereiche und streut dazu noch einige sehr fette Rhythmuswechsel ein. Ein gelungenes Finale einer durchaus beachtenswerten Erstveröffentlichung. Vor allem die gute und erstaunlich frisch wirkende Mixtur der unterschiedlichen Zutaten, bestehend aus Death und Thrash, Metalcore und ein bisschen Hardcorepunk hinterlässt einen positiven Gesamteindruck. Lediglich die beiden Füllersongs versalzen die Suppe ein wenig. Unter der Bedingung, dass sie noch etwas an ihrem Songwriting arbeiten, bin ich bereit, Bloodspot eine nicht ganz erfolglose Zukunft vorherzusagen. (cj)




