The Blackscreen - Tiny Melodramas
Die Nürnberger Jungrocker von The Blackscreen haben sich der Indie-/Alternative-Musik verschrieben. Nach einer Demoscheibe aus dem Jahre 2008 legen sie nun ihren ersten Langspieler „Tiny Melodramas“ auf. Darauf gibt es zwölf Stücke zu hören, die in einem recht gut sitzenden, klaren Soundgewand stecken. Für meinen Geschmack ist die Produktion fast schon zu klar, also zu steril und künstlich, aber darüber kann man geteilter Meinung sein. Ziemlich einstimmig sind hingegen die Lieblingsbands des bayrischen Vierers auszumachen. Im Plattenschrank der Jungs stehen Blackmail, Sparta und sicherlich auch Placebo ziemlich weit vorne. Keinesfalls möchte ich soweit gehen und sagen, The Blackscreen hätten ihre Stücke zusammengeklaut, aber das ein oder andere Déjà -vu stellt sich dann doch ein. Aber auch einige Stärken sind zu verzeichnen: Allen voran ist es die Vielseitigkeit der Band, die zu gefallen weiß. Die Bandbreite verschiedener Stile, die hier zum Zuge kommen, ebenso wie der gelegentliche Einsatz einiger Posaunen und Trompeten, sollte eigentlich für spannende Kompositionen und viel Abwechslungsreichtum sorgen. Zugegebenermaßen stecken eine Menge Dynamik und einige gute Ideen in den Songs, aber es fehlt der große Masterplan, welcher den Weg vorgeben könnte. Man muss „Tiny Melodramas“ nicht besonders oft anhören um festzustellen, dass gutes Songwriting anders aussieht. Auch wenn musikalisch durchaus einige gute Ansätze zu verzeichnen sind, so wird es, sobald wir uns den Lyrics zuwenden, ziemlich fragwürdig. Klar, Gesang ist immer Geschmackssache, und deshalb muss ich sagen, Frontmann Oliver Frank geht mir gewaltig auf die Nerven. Objektiv betrachtet, muss man sich hier mit Intonationsproblemen und stellenweise deutlich hörbarer Unsicherheit auseinandersetzen. Fazit: Die Idee, verschiedene Spielarten des Alternative-Genres mit etwas härteren Ansätzen zu kombinieren, gefällt mir eigentlich sehr gut, bei der Umsetzung muss aber noch reichlich nachgebessert werden. (cj)




