Instrument - Instrument
Vier Jungs aus München tun sich zusammen, gründen eine Band und gleich dazu noch das passende Label, um ihre erste Platte auch fachgerecht unter die Leute bringen zu können. Ein professioneller Ansatz, der nicht von ungefähr kommt, denn hier sind ehemalige Cosmic Casino-Leute mit am Start. Soweit die Vorgeschichte. Wenn man sich der Musik zuwendet, stechen zunächst die im Durchschnitt recht langen Spielzeiten der Songs ins Auge, die zwischen drei und vierzehn Minuten pendeln. Dementsprechend außergewöhnlich ist auch das Songwriting der Bayern, die es verstehen, ihren Kompositionen viel Luft zum Atmen und Raum für Entwicklungen zu lassen. Ein wichtiges Standbein dieser Songkonstrukte sind ausgedehnte Melodiepassagen, die sehr gefühlvoll und zumeist ruhig und rein instrumental angelegt sind. Weitere Stilmittel sind treibende Indy Rock-Abschnitte, gepaart mit jazzig angehauchten Zwischenspielen und atmosphärischen Post Rock-Parts, die gelegentlich sogar Refraincharakter aufweisen können. Allerdings sucht man meist vergebens nach althergebrachten Strukturen wie Strophen und Refrains, denn die Abläufe und Arrangements auf „Instrument“ bewegen sich außerhalb gängiger Normen. Durch exzellentes Timing gelingt es dem bayerischen Vierer, seine Stücke immer wenn es nötig wird, in eine andere Richtung zu dirigieren. Dieses Gespür für den richtigen Moment verleiht der ganzen Geschichte eine Souveränität, von der andere Bands nur träumen können. Sehr schön sind auch die häufig variierenden Stimmungen, die von nachdenklich, melancholisch, teilweise unbeschwert und sogar ein wenig kindlich, bis hin zu einer fast düsteren, bedrohlichen Kante reichen. Klasse. Ganz kann ich aber dennoch nicht auf Kritik verzichten, denn es sind leider auch Songs und Passagen mit von der Partie, die aufgrund ihrer Geradlinigkeit und Einfachheit nicht so recht ins Gesamtbild passen wollen. Ich denke da vor allem an das langweilige „Joke On Me“ (taktisch äußerst ungünstig an zweiter Stelle positioniert) und auch ein bisschen an „Watzmann“ und „I Don’t Want To Lose This Beautiful Darkness“. Aber diese Durchhänger werden durch solche Geniestreiche wie den Opener „Slow Motion Emotion“, „About Suits & Dresses“ und vor allem das grandiose „The Odd Fish Fish, That’s Me“ wieder ausgebügelt. Somit hinterlässt dieses Erstwerk von Instrument einen durchaus positiven Eindruck, der Lust auf mehr macht. (cj)




