Jeff Loomis - Zero Order Phase
Jeff Loomis kennt man. Wenn schon wegen mangelndem Namensgedächtnis nicht aktiv, so doch auf jeden Fall passiv - weil Nevermore kennen alle und genau das macht der Herr Loomis, wenn er nicht gerade Soloalben aufnimmt, hauptberuflich. Und wenn ihr jetzt denkt, Moment mal, Soloalbum... Nevermore... das hatten wir doch erst! Dann habt ihr Recht, denn Sangesgott Warrel Dane hat just vor kurzem sein Soloscheibchen in die Läden gestellt. Im Gegensatz zu seinen "Praises To The War Machine" kommt Loomis "Zero Order Phase" zwar mit dem cooleren Coverartwork daher, kann aber sonst kaum m it dem Album des Kollegen mithalten. Was ja wohl auch nicht der Ansatz war und schon alleine deswegen schwer ist, weil des Gitarristen Opus komplett auf Gesang verzichtet und somit schon mal ein recht großer Anteil der potentiellen Zuhörerschaft außen vor bleibt. Richtig cool gehts mit "Shouting Fire At A Funeral" los, der Song quillt über vor gewohntem, vertracktem Nevermore-Riffing und hat als Quasi-Gesangslinienersatz ein hymnisches Überriff im Ärmel, dass man tagelang nicht mehr vergisst und das auch auf jedem Nevermorealbum ein Hitgarant gewesen wäre. Mit knapp an der Fünf-Minuten-Marke kratzender Spielzeit, kann man den Song auch noch als halbwegs kompakt bezeichnen. Bei "Jato Unit" kommts zum Duell der Flitzefinger, denn da ist noch Watchtower-Mann Ron Jarzombek mit von der Partie und weiter hinten im Verlauf ("Race Against Desaster") darf auch noch Cannibal Corpse Gitarrero Pat O´Brian zweigen, was er kann. An vierter Stelle gibts mit "Azure Haze" nochmal einen Lichtblick in Form eines eher balladesken Tracks, aber das restliche Material ist für normale Ohren und nicht frickel-affine Hörer schwere Kost. Ohne jede Rücksicht auf Eingängigkeit, gewohnte Songstrukturen oder gar das Nervenkostüm seiner Hörer setzt der Meister hier zum zwar meist imposanten aber trotzdem nicht angenehm oder gar mitreißenden Egotrip an und frickelt, improvisiert und gniedelt, was das Zeug hält. Tracks wie das über sechsminütige "Cashmere Shiv" mit seinem Pseudositar-Sound sind streckenweise kaum hörbar. Der Mann ist fraglos ein großer Gitarrrist und Virtuose, aber über 55 Minuten ist das in dieser konzentrierten Form und vor allem ohne Gesang selbst für Nevermore-Fans nur schwer zu ertragen. (tj)




