Favez - Bigger Mountains Higher Flags
Satan strikes again, Zahlensymbolik galore im folgenden Review! Die Hohen Berge im Titel dieses auch schon wieder sechsten (#1) Albums der Band mögen zwar auf ihr Herkunftsland verweisen, der Klang deutet aber eher in Richtung USA als der Schweiz. Australien wäre vielleicht auch noch ein Anhaltspunkt, denn da wurde das Album gemischt, aufgenommen wurde aber im heimischen Lausanne. Der Opener "The Highways Are Deserted" und auch einige der folgenden Songs lassen spontan an "Boss" Springsteen und seine E-Street Band denken, die Plattenfirma spricht im Zusammenhang mit den elf Songs von Indie-Musik und ganz falsch liegt sie da nicht, auch wenn da der nicht zu verleugnende Rock im Schubladenaufkleber fehlt. Ein Schuss Punk soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, manches hätte auch auf einem Hot Water Music-Album ne gute Figur abgegeben. Hier klingt so gar nichts nach den vermeintlichen Schweizer Tugenden, nicht ist überaufgeräumt und sauber, konservativ oder zögerlich, hier regiert die Leidenschaft einer Band, die sich hörbar weiterentwickelt hat. Die smart eingebrachte Hammondorgel macht die Sache schön breit, streckenweise gar episch und auch das Piano wird effektiv eingebaut - die Integration von gleich zwei neuen Mitgliedern (Maude Oswald, Jeff Albelda, somit sind die Schweizer jetzt zu sechst - #2)) hat sich also als der richtige Schritt erwiesen. Auch die Abwechslung kommt nicht zu kurz, spätestens mit "The Goodbye Song" (dem sechsten Song, #3), mit beinahe acht Minuten wohlweislich in der Mitte, also als Herzstück platziert, kippt der Indierock auch mal ins melancholisch Verzweifelte. "White Limousine" erschreckt anfänglich dann richtig, so tiefschwarz und bitter wird es hier plötzlich, ganz zu schweigen von dem herrlich knarzigen Bass und dem großem Refrain der zur Mitte ausgepackt wird, kurzfristig Helligkeit spendet bevor es wieder verzweifelt in die Strophe geht. Als abschließenden Downer gibts die tieftraurige und gleichzeitig wunderschöne Pianoballade "We Used To Fight A Lot". Und es heisst ja so schön: der Teufel steckt im Detail, wer hier also tatsächlich Spuren des Leibhaftigen sehen möchte: bitte, alle anderen nehmen stattdessen mit dem besten Album der Bandgeschichte vorlieb! (tj)




