Nine Inch Nails - Year Zero
Als kreativer Kopf und Technikfreak ist das Nine Inch Nails-Mastermind Trent Reznor immer auf der Suche nach Neuem und Außergewöhnlichem. Das drückt sich bei seinem sechsten, im weitesten Sinne Industrial-Album weniger über die Musik aus, sondern bestätigt sich vor allem im Überbau. Textlich dreht sich alles um Trents Zukunftsvisionen fürs Jahr 2022: eine extrem rechts orientierte, theokratische Diktatur beherrscht die USA, sie überzieht den Mittleren Osten mit Kriegen und betäubt die heimische Bevölkerung mittels vergiftetem Trinkwasser, die Umwelt und die Gesellschaft kollabieren, Menschenrechte gibt es nicht mehr und die christliche Militärpolizei bricht nach Belieben in die Heime der Menschen ein um subversive Unterhaltung(smedien) zu vernichten - klingt streckenweise fast nach Gegenwart! Diesmal hat er alles alleine geschrieben und eingespielt, bezeichnend da auch der Vermerk im Booklet "Recorded All Over The World". Das Außergewöhnliche ist bei diesem Album aber das Drumherum, denn rund ums Album und dessen textlichen Inhalt gibt es ein ganzes Netz von Aktionen, versteckten Hinweisen, Internetseiten, die voll von Verschwörungstheorien sind, Anleitung zum Widerstand geben usw.; "Virales Marketing" Is Da Word. Musikalisch ist man nach den ersten Durchläufen etwas vor den Kopf gestoßen, denn die herausstechenden Tracks fehlen zunächst. Vieles klingt als wäre es eigentlich eine Remixversion des jeweiligen Tracks, aber wie so oft bei Nine Inch Nails schreit das Material nach intensiver Beschäftigung. Dann fressen sich die "Soundcollagen" mit manchmal gar Aphex Twin-Garstigkeitslevel erreichender Intensität ins Hirn. (tj)




