Weto - Das zweite Ich
Weto kennt als Band bisher wohl noch kaum jemand, die „Zutaten“ mit denen hier gearbeitet wird, sind aber hinlänglich bekannt. Die fünf Musiker sind nämlich sonst bis auf eine Ausnahme (die von einem Musiker der nicht ganz so populären Band Regicide besetzt wird) alle bei Schandmaul aktiv. Deutschsprachiger Rock mit Einflüssen aus Metal, Gothic und NDH serviert man uns unter dem neuen Namen also. Die Produktion schreit lauthals „Dicke Hose!“, die Gitarren braten amtlich, im Hintergrund sorgen Synthies/Keyboards für satte Flächen und über allem dominiert Sänger Thomas Lindner. Dessen Organ kommt einem natürlich von Schandmaul her sofort bekannt vor, der Mann kann zweifelsohne auch sehr gut singen, hier ists auf Dauer aber doch recht anstrengend. Mag damit zusammenhängen, dass beim Mittelalterspektakel Schandmaul ein pathosgeschwängerter Gesang ganz gut ins Bild passt, bei dem Sound den die Jungs mit Weto fahren ists dann doch schnell nervig. Auch die arg profilneurotischen „Schau was ich kann“ Bass-Passagen von Matthias Richter stoßen einem ab und an sauer auf, vielleicht haben die Herren beschlossen sich bei ihrem Projekt mal richtig auszutoben... Wobei Projekt, laut Info waren Weto ja vor Schandmaul da und lagen nur lange auf Eis, da Schandmaul durch den Erfolg Vorfahrt gewährt wurde. Viele Songs sind sehr eingängig, manche erinnern etwas an Oomph! und man erkennt die Erfahrung der Musiker beim Songwriting – faktisch also eine hochklassige Veröffentlichung, die mich aber leider zu keiner Zeit packt oder gar begeistert. (tj)




