Potentia Animi - singt Lieder zur Weihnacht - Sind die Lichter angezündet?
„Des Jahres letzte Stunde ertönt mit ernstem Schlag, trinkt Brüder, trinkt Brüder und wünscht ihm Segen nach!“ Die drei augenzwinkernden „Betbrüder“ von den Mittelaltermuckern Potentia Animi waren schon immer für die ein oder andere Überraschung gut (man denke nur an ihren 2006er Summer Breeze-Auftritt), ein reines Weihnachtsalbum hatten dann aber doch wohl die allerwenigsten erwartet. Bekannte Weihnachtslieder erfahren eine Überarbeitung, „Weihnachten im Potentia Anima-Kloster“ also, allerdings in einem ganz besonderen Kloster. Da ist vieles nicht ganz jugendfrei oder zumindest recht derb. In ihrem „Morgen Kinder wird´s was geben“ werden „Hochglanzhefte mit den schönen Bildchen drin“ beschert, statt „Es ist ein Ros entsprungen“ ist ihnen ein „Duft“ (sprich ein Furz) entsprungen (was mit bombastischen Kirchenorgeln instrumentiert wird) und selbst vor DEM Klassiker schlechthin, „Stille Nacht“, wird nicht halt gemacht. Festliche Akustikgitarren und Geigen leiten den Song ein, die erste und auch die zweite Strophe erklingen im Original, es folgt ein weiterer instrumentaler Part und die dritte Strophe und nach etwa vier Minuten ist das Lied zuende und man ist als Zuhörer gar perplex, weil man auch hier eine textliche Abwandlung erwartet hätte, aber mit nichten, das könnte man auch beim elterlichen Weihnachtsmahl im Hintergrund laufen lassen. Derartige Neubearbeitungen oder eben Verballhornungen polarisieren natürlich und sind somit reine Geschmackssache, aber die Indien-Tabla-Sitar-Version von „Kling, Glöckchen, kling!“ sollte man gehört haben! Die knappe Spielzeit gab dann aber doch Abzug in der B-Note. (tj)




