To-Mera - Transcendental
Wow! Als ich den Namen Lee Barrett im LineUp der Band gelesen habe, den man vielleicht noch von früheren Bands wie Extreme Noise Terror, Disgust und Mussolini Headkick kennt, hätte ich ja vieles erwartet, aber nicht das, was dann aus den Boxen strömte. Direkt der Opener „Traces“ beginnt mit hohem und klarem Frauengesang, der irgendwie fremdländisch (arabisch?) anmutet. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn dann ein exotisches Saiteninstrument einsetzt, das Keyboard zunächst einen einzigen tiefen Ton spielt und die Gitarre einsetzt. Dann klingt das kurz eher nach der neuen Steve Vai, auch weil der Keyboarder flächig dazuarbeitet und der Drummer einen herrlichen Rhythmus dazu spielt. Gegen Ende des Openers übernimmt dann ein dramatisches und äußerst kunstvoll gespieltes Piano das Ruder – cool. Beim folgenden „Blood“ zeigt die Band dann, was sie wirklich kann und ist. Hier haben außergewöhnlich versierte Musiker (besonders der Keyboarder und Drummer) und eine faszinierende Stimme zusammengefunden und sich dem symphonischen (Prog)Metal verschrieben. Die Stimmlage von Sängerin Julie Kiss (wenn das kein Pseudonym ist) liegt durchaus in Nightwish-Nähe, hat aber erfreulicherweise keinen derartigen Nerv-Faktor. Wer jetzt weder mit progressiven Klängen noch mit hohem Frauengesang etwas anfangen kann, der braucht an sich gar nicht mehr weiterlesen, alle anderen hören hie vielleicht zum ersten Mal von einer Band, die ganz groß werden könnte. Natürlich ist das meist starker Tobak, Songs die man keinesfalls beim ersten Hören erfasst und die meistens weit über sechs Minuten auf die Spielzeitwaage bringen, können einen beim Erstkontakt durchaus überfordern – aber eben auch fesseln! Dem Tastenmann Hugo Sheppard hört man seine klassische Ausbildung sehr oft an (z.B. beim Song „Parfum“) und auch wenn Keyboards eigentlich generell eher nicht mein Ding sind, der Mann kann was und schafft Unglaubliches. Dichte Atmosphären, unglaublich tiefe Arrangements und Überraschungen am laufenden Band: bei „Dreadful Angel“ kippt der ganze Song im Mittelteil und wird total jazzig, bevor dann später Akustikgitarren, Violinen und sogar ganz zärtlich Bläser einsetzen. Der Gitarrist wechselt zwischen ausgiebigen Solopassagen und derbem Geriffe, das soundtechnisch auch mal kurz an Meshuggah denken lässt. Ach ja, an sich überflüssig zu erwähnen, die ungarische Sängerin sieht dann auch noch top aus – was für die Musik natürlich völlig unnötig ist, der Band auf ihrem Weg aber sicherlich nicht schaden wird. (tj)




