Neuraxis - Truth Imagery Passage
Was mich da gerade aus den Socken geblasen hat, ist die Doppel-CD „Truth Imagery Passage“ des kanadischen Fünfers Neuraxis, die neben der aktuellen Veröffentlichung „Truth Beyond…“ auch das erste Album „Imagery“, die Mini-CD „Passage Into Forlorn“ und zwei Bonus-Tracks beinhaltet. Nicht nur dass die Quantität des Materials erstaunlich ist, auch deren Qualität lässt keinesfalls zu wünschen übrig. Technisch sehr anspruchsvoller Metalcore der düsteren Sorte steht auf dem Speiseplan…also auf zu Tod und Verderben: Das bereits 1996 entstandene Debütalbum (Tracks 1-12, Disc 2) ist von Death- und Grindcore-Einflüssen geprägt und lässt sich auf keinerlei Kompromisse ein. Rougher Sound, etwas chaotische Songstrukturen in Kombination mit vertrackten Riffs und Kreisch-/Grunzgesang bestimmen den Höreindruck. Diese Elemente kommen auch auf „Passage Into Forlorn“ (Tracks 13-20, Disc 2) zum Einsatz, wobei die Klangqualität eindeutig besser geworden ist. Auch eine musikalische Entwicklung ist zu beobachten, denn es kommen immer mehr melodische Teile im Stil von At The Gates zum Zug und auch das Songwriting ist erwachsener geworden, sodass die acht Stücke ohne weiteres als tot-metallische Apokalypse durchgehen. Außerdem werden hier Spielkünste aufgetischt, die anderen Musikern die Gesichtszüge entgleisen lassen können. Wer jetzt denkt, dass dies kaum gesteigert werden könnte, ist auf dem falschen Metal-Dampfer. „Truth Beyond…“ (Disc 1) knüpft genau dort an, wo der Vorgänger aufhört. Allerdings sind die Songs nun noch komplexer, unglaublich detailverliebt und mit noch krasseren technischen Finessen bestückt. Dennoch sind sie so clever und abwechslungsreich arrangiert, dass das Zuhören auch mit fortschreitender Spieldauer im Rahmen des Erträglichen bleibt. Meine Favoriten sind der Opener „…Of Divinity“, der eine optimale Mischung aus schierer Riff-Brutalität und ausgefeilten Melodien bietet, und die übermächtige Dampfwalze „Imagery“, welche mir ordentlich den Arsch versohlt hat. Stimmliche Unterstützung bekommen die Kanadier von anderen Bands, wie Cephalic Carnage, Unhuman und ihren Landsleuten von Despised Icon, die übrigens auch textlich einiges zum Gesamtkunstwerk beisteuern. Fazit: Wenn sich einem schon mal die Möglichkeit bietet, die komplette Discographie einer so überzeugenden Death/Metalcore-Band abzuchecken, sollte man zuschlagen…100%ige Kaufempfehlung! (cj)




