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Helldriver is down with Down

Vor dem Konzert im Stuttgarter LKA hatten wir Zeit für ein mehr oder weniger ausführliches Gespräch mit Down-Schlagzeuger Jimmy Bower. Der Mann ist ja mit diversen Bands überaus aktiv und mittlerweile auch schon 40 Jahre alt. Also brav beim Tourmanager Dave „Snake“ Sabo (ja, genau DER!) gemeldet und ab in den Tourbus mit Jimmy. In der Lounge, in der wir uns unterhalten haben, saß dann prompt ein etwas gelangweilt wirkender Rex Brown rum und nahm je nach Gusto am Interview teil – unverhofft kommt ja bekanntlich oft! Rex wirkte irgendwie lauernd und seine Einwürfe waren oft eher lakonisch, aber lest selbst!

H: Jimmy, bei der Recherche für das Interview ist mir aufgefallen, dass Du mehr und mehr als Jim geführt wirst, auf Eurer Homepage und im Booklet zum neuen Album beispielsweise, bevorzugst Du es mittlerweile als Jim angesprochen zu werden?

JB: Ach was, Jim, Jimmy – egal wie! JimJim!

H: Jimmy, vor ein paar Monaten habt Ihr Euer drittes Album „Over The Under“ veröffentlicht. Ich hab ja Englisch in der Schule gelernt und kenne wohl die Wörter, aber was bedeutet der Titel?

JB: Naja, es ist ja hinlänglich bekannt, dass wir einiges an Mist hinter uns hatten. Der Hurricane, persönliche Unglücksfälle und Turbulenzen usw., für uns bedeutet der Titel als im Grunde ganz wörtlich „Über das Untere“, wobei das Untere eben der ganze Mist ist. Und das Über ist dann das nach vorne schauen und weiter machen.

H: Das Album wurde ja sehr gut besprochen und angenommen, hast Du ein Lieblingslied und wenn ja, welche?

JB: Ich hab sogar zwei. „N.O.D.“ und „Nothing In Return“.

H: Bei „N.O.D.“ hab ich mich ja auch immer gefragt wofür die Abkürzung steht...

JB: Ich bin mir gar nicht sicher, ob das überhaupt für irgendwas steht!

H: Wie nehmt Ihr die Songs denn auf? Macht Ihr nacheinander die ganzen Instrumente, also Spur für Spur, oder in einer annähernden Live-Situation mit zusätzlichen Overdubs?

JB: Bei dem Album haben wir zuerst das Schlagzeug aufgenommen und dabei gleich skizzenhafte Gitarren- und Bass-Spuren aufgenommen. Wobei wir alle zusammen gespielt haben, aber eben nur ich richtig aufgenommen wurde – man bekommt so einen wesentlich besseren Drumsound.

H: Aber Ihr habt nicht auf Klick eingespielt?

JB: Nein. Ich bin auch ziemlich gegen diesen Klick-Scheiss, das klingt dann alles unmenschlich. Nimm nur mal alte Black Sabbath-Aufnahmen, da schwankt das Tempo ständig! Und das war cool so, dadurch hat das ganze viel mehr Feeling.

H: Heutzutage nimmt aber halt fast jeder mit Klick und somit einem durchgehenden gleichen Tempo auf. Für die Gitarristen kann es auch ganz schön hakelig werden später über eine Aufnahme zu spielen, die ohne Klick aufgenommen wurde und ordentlich Temposchwankungen hat...

JB: Ach was, bei uns war das nie ein Problem.

H: Zu den ersten zwei Alben gabs keine entsprechenden Touren in Deutschland und jetzt mit „Over The Under“ seid ihr plötzlich viel fleißiger und sogar weltweit unterwegs. Was ist denn also zwischen dem zweiten und dritten Album passiert?

JB: Wir fünf haben da eine ganz bewusste Entscheidung getroffen. Nämlich diese Band als unser Hauptprojekt zu sehen und mit diesem Album Vollgas zu geben und wie Du schon sagst sogar weltweit zu touren. Als wir 2006 zum ersten Mal mit Down in Europa waren, hatten wir hier so ne gute Zeit, als dann das neue Album raus war, konnten wir es kaum erwarten wieder zurückzukommen. Down ist jetzt also kein Sideproject mehr, das ist jetzt eine richtige Band!
(Rex brabbelt etwas im Hintergrund)

H: Rex, hast Du jetzt gerade „Für mich nicht!“ gesagt?

RB: Ich? Ich hab nichts gesagt... ach was, war nur ein Scherz! (lacht)

H: Ihr habt jetzt die ersten Dates dieser Europatour hinter Euch, wie wars denn seither?

JB: Oh es war cool. Wir haben in Moskau angefangen, und hey: ich hätte mir ja nie träumen lassen, dass ich mal in Moskau spiele!

H: Habt Ihr zum ersten Mal da gespielt?

JB: Ja, wobei: Rex und Phil haben 1991 da mal mit Pantera gespielt, aber das waren auch noch andere Zeiten. Wir waren natürlich entsprechend aufgeregt und es war ne tolle Erfahrung die Leute da die Texte mitsingen zu hören – in Moskau!

H: Cool. Wie viel Leute waren bei den Shows?

RB: Zwei!

JB: Genau, und die haben Lenin von den Toten auferweckt und der saß da auch noch so rum... (lacht sich mit Rex einen)

RB: Nein, ich denke es waren so 1500 Leute.

JB: In St. Petersburg war der Club etwas kleiner aber rappelvoll, ich denke das waren eher so 700-800 Leute.

H: OK, dann ist das also vergleichbar mit Deutschland, die Halle ist denke ich auch so für 1500 Leute ausgelegt.

JB: Ich mag ja das Longhorn sehr...

H: Klar, ich hab hier so viele Bands gesehen, teilweise schon vor vielen Jahren, als ich noch jung war. Ich kann mich noch erinnern, dass ich 1992 oder so hier zum ersten Mal Corrosion Of Conformity gesehen habe. Damals noch mit Karl Agell als Sänger, Pepper durfte damals nur bei „Vote With A Bullet“ singen...

H: Aber zurück zum Thema Russland. Wie war das denn erstmals in einem Land zu spielen, das für Jahrzehnte der große, böse Fein der Vereinigten Staaten war?

JB: Naja... ich kann mich daran erinnern, dass ich als Kind, wenn ich ins Bett gegangen bin, oft noch gegrübelt hatte. Das ganze Land hat irgendwie damit gerechnet, dass uns die Russen im nächsten Moment in die Luft jagen würden. Und ich lag da in meinem Bett, war noch total klein, und hab zum Fenster rausgeschaut, ob ich nicht irgendwelche Raketen am Himmel entdecke. Aber da hat sich ja so viel geändert bei denen da drüben. Die haben jetzt ja auch den Kapitalismus. Es hat sich also tatsächlich nicht groß anders als in jedem anderen Land in Europa angefühlt – mal abgesehen von Gebäuden wie den Kirchen usw.

H: Wie ist das im Vergleich zu Europa, spielt Ihr in den Staaten vor mehr Leuten?

JB: Das ist ganz unterschiedlich. In New York sinds schon mal 3000 Leute, dafür dann in Cleveland, Ohio auch nur 1.000. Aber auch wenn das rein zahlenmäßig ähnliche Verhältnisse sind, in Europa sind die Fans ganz anders dabei. Wenn die zu ner Show kommen, dann geben die 150%. In Amerika schauen die Leute ehr nach den Trends... wobei ich mir sicher bin, dass das hier ähnlich ist, aber da krieg ichs halt nicht mit. Ich liebe es auf jeden Fall hier in Europa zu spielen, ich glaube es ist das 18. Mal, dass ich hier bin!

H: Erfolg lässt sich heute nur noch schwer in verkauften Alben messen, denn die Zahlen gehen weltweit in den Keller. Im Gegensatz dazu steigt das Interesse an Musik durchaus, was sich an ausverkauften Festivals (Wacken, Rock Am Ring etc.) und auch vielen ausverkauften Touren ablesen lässt. Es gibt also nach wie vor ein großes Interesse an Musik. Die Bands verdienen mittlerweile aber eher auf der Bühne als im Plattenladen.

JB: Genau.

RB: Nein!

H: Nein? Das stimmt nicht?

RB: Wir verdienen an unseren Platten...

H: Ja klar, aber wenn man das meinetwegen mit den Verkaufszahlen von Pantera von vor zehn Jahren vergleicht, dann ist da doch ein gewisser Unterschied...

RB: Stimmt, das Verhältnis ist in etwa 8:1 und ich denke das liegt an der Downloaderei.

JB: Stimmt auch wieder. Die ganze Downloaderei ist ziemlich Scheisse. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie das früher war, als man Platten gekauft hat. Das war was ganz anderes, man hat sie nach Hause gebracht, hat Gras geraucht oder was getrunken, was auch immer Dein Ding war, jedenfalls war man ganz aufgeregt, hat die Texte gelesen usw. Und wenn Dein Kumpel das Album hatte, dann musstest Du es auch haben. Das ist irgendwann alles auf der Strecke geblieben...

H: Habt Ihr denn Kontrolle über Eure Ticket- und Merchpreise? Weißt Du, was die Karte heute Abend kostet?

JB: Ich hab keine Ahnung! Ich denke das hängt auch stark vom Promoter ab...

H: Naja, wo Ihr doch heutzutage Euer Einkommen mehr aus diesen Quellen als aus Plattenverkäufen bezieht...

JB: Da ist wohl was dran. Wobei es da eine Menge verschiedener Einkunftsquellen gibt. Aber ich würde schon sagen, dass heute der Großteil über Liveshows und Merchverkäufe reinkommt.

H: Als ich vorhin in der Halle war, hab ich den bereits aufgebauten Merchstand gesehen. Und ich muss sagen, 20 Euro für ein Shirt ist echt fair. Ein paar amerikanische Bands übertreiben es da gerne mal, bei Slayer kostet ein Shirt doppelt so viel!

JB: Wow, das sind dann ja etwa 75$!!

H: Keine Ahnung, wie der Kurs gerade steht...

JB: Nee, sag ich Dir ja, 75$, das ist völlig verrückt! Wenn man bedenkt, dass man pro Shirt etwa 5$ in der Herstellung ausgibt!

H: Ne andere Sache bei Euch ist ja, dass Ihr nie Vorgruppen habt...

JB: Bisher jedenfalls nicht.

H: Ja, aber wie kommts?

JB: Na, die Sache mit dem Vorfilm funktioniert halt einfach recht gut. Uns gefällt das, in der Zeit bevor der Film beginnt, da läuft jede Menge Musik, die wir mögen, so ne Compilation unserer Favoriten. Dann läuft der Film für etwa eine Stunde und zeigt erneut jede Menge Bands, die wir mögen und dazu noch Backstage-Aufnahmen. Es scheint auch richtig gut zu funktionieren, die Leute werden gut eingestimmt und wenn wir dann loslegen, sind sie richtig aufgeregt. Wir können das natürlich nicht auf ewig so machen, aber zurzeit ist es optimal.

H: Wer kam denn auf die Idee mit dem Vorfilm?

JB: Oh, ich hab keine Ahnung... vielleicht war das so ne kollektive Sache, ich weiß nicht.

RB: Pepper.

JB: Ahh, genau, Pepper wars wahrscheinlich.

H: Wie sieht das mit Eurer Setlist aus, Ihr spielt jeweils ca. zwei Stunden. Spielt Ihr jeden Abend die gleichen Songs, oder ist das ständig in Bewegung?

JB: Wir mischen so ein bisschen. Im Prinzip sind es schon größtenteils die gleichen Songs, aber hier und da zaubern wir dann mal ne Überraschung aus dem Hut. Letzten Abend haben wir z.B. „In The Thrall Of It All“ vom neuen Album gespielt, und das haben wir seither noch nie live gespielt! Wir haben beim Soundcheck rumgejammt und dann beschlossen es abends einfach zu spielen. So wird dann jede Show irgendwie einzigartig.

H: Ein paar Fans schauen sich bestimmt mehr als eine Show auf der Tour an und für die ist es natürlich cool...

JB: Klar!

H: Kannst Du Dich denn noch daran erinnern, wie das war als Supportband vor einen großen Band zu spielen?

JB: Klar, ein solches Erlebnis war auf jeden Fall als wir 1997 mit Eyehategod für Pantera eröffnet haben. Die Tour ging zwei Monate lang quer durch die USA zusammen mit White Zombie. Das war der Hammer. Das war ne ganz andere Liga für mich! Eine ganz große, fantastische Erfahrung und Gelegenheit.

H: Wie hast Du Dir das Musikbusiness damals vorgestellt und was ist heute von diesen Vorstellungen übrig geblieben?

JB: Naja, damals wurden wir z.B. mit einem üblen Deal von Century Media verarscht. Wir konnten aber im Prinzip gar nichts dagegen machen und bekamen nicht mal Kohle für unser Merch. Die haben uns das Geld von den verkauften Shirts abgeknöpft!

H: Und das stand so im Vertrag?

JB: Yeah. Das war einfach ein mieser Vertrag. Was wir an sich auch wussten, als wir uns drauf eingelassen haben, aber uns wurde eben gesagt, dass zwar so auf dem Papier steht, aber dass das ja nur Papier ist, man kann das schon irgendwie regeln. Was ne Scheisslüge war!

H: Hey, ich kann mich aber an die gemeinsame Deutschland-Tour von Eyehategod und Crowbar (zusammen mit Soilent Green und einer deutschen Band namens Undertow, Anmerk. d. Verf.) erinnern. Da waren Leute von Century Media auf der Gästeliste...

JB: Ja, aber eben nicht Oliver... es gibt auf jeden Fall ein paar coole Leute bei Century Media, aber definitiv nicht Oliver! Das war auch nicht ihr Fehler. Es gibt Robert Kampf und Oliver Withoff, denen beiden gehört der Laden.

H: Du hast über die Jahre in so vielen Bands gespielt, die meisten davon sind/waren wohl etwas kleiner als Down. Wo liegt der Unterschied, wenn Du mit Down unterwegs bist?

JB: Nichts. Es ist halt nur so, dass Down mehr Leute ziehen. Und die Chemie bei Down unterscheidet sich von den meisten der anderen Bands. Ich hab noch nie in einer Band mit einer so guten Chemie untereinander gespielt. Jeder respektiert den anderen und jeder kann sich ziemlich gut in den anderen hineindenken. Das ist einzigartig und ein besonderes Glück. Und auch wenn das jetzt cheesy klingen mag: das ist die Band, mit der wir alle alt werden möchten!

H: Ach, Du siehst Euch also schon in zwanzig Jahren immer noch auf der Bühne – dann eben mit Rollstühlen!?

JB: Ja klar, hauptsache zusammen spielen und jammen! Das coole ist ja auch, dass wir mit Down im Prinzip machen können, was wir wollen, wir sind nicht auf einen Stil festgelegt. Wir können chillige Sachen machen, sogar orientalisches, funkiges, jazziges Zeug ist denkbar – und es wird immer noch wie Down klingen!

H: Down wird ja oft als Allstar-Band bezeichnet. Magst Du die Bezeichnung...

JB: Nein, das ist schwul Mann!

H: OK, mal abgesehen vom Schwulsein, was ist ein Star für Dich?

JB: Ein Star? Irgendwas am Himmel? (alle lachen)

H: OK, gute Antwort!

JB: Ich meine, ok, ein paar Leute in der Band sind aus sehr bekannten Bands. Aber wenn wir zusammen sind und spielen, dann zählt das alles nicht, dann sind wir nur das Kollektiv, dann sind wir Down!

H: Was ich erst kürzlich mitbekommen habe, Du spielst ja nicht nur Gitarre und Schlagzeug, Du produzierst ja auch Bands. Kürzlich hab ich eine Band namens My Uncle The Wolf gehört und die hast Du wohl produziert...

JB: Genau, das sind Freunde von mir aus Brooklyn.

H: War das, das erste Mal, dass Du als Produzent gearbeitet hast?

JB: Ja und ich hab auch den Bass auf dem Album eingespielt.

H: Ist das etwas, was Du zukünftig gerne öfter machen würdest?

JB: Ja klar, das würde ich echt gerne. Dieses Mitwirken am Songwriting... die Jungs sind halt Freunde von mir und noch recht jung. Und als sie gefragt haben, ob ich das übernehmen würde, hab ich halt ja gesagt. Und zudem hatten sie zu der Zeit halt gerade keinen Bassisten. Die kamen runter und waren bei mir daheim zu Gast. Wir haben dann an den Songs gearbeitet, hier und da etwas geändert und ich hab versucht das Beste aus ihnen herauszuholen. Und ich denke für ein Debut ist es ziemlich gut geworden.

H: Und wie hast Du Dir das technische Wissen angeeignet?

JB: Naja, ich war so oft in Studios, da hat man eben das ein oder andere aufgeschnappt. Ich hab jetzt auch keine Soundeinstellungen gemacht und an Knöpfen am Pult herumgedreht...
(Rex schaltet sich ein und demonstriert was Jimmy im Studio gemacht hat: er dreht pantomimisch nen Joint)

JB: Wenn man so oft in Studios war, weiß man halt worauf es ankommt. Man weiß, wie man es hinkriegt, dass sich Leute wohl fühlen oder eben nicht. Ich bin so ein Beobachter gewesen...

H: Eher so ein Produzententyp wie meinetwegen Rick Rubin also, eher ein Coach...

JB: Naja, wir wollens mal nicht übertreiben, das war mein erstes Mal, dass ich so was gemacht habe. Ich bin weit davon entfernt mich mit Rick Rubin zu vergleichen! Aber ich weiß, wie Dus gemeint hast!

H: Ich hab halt gehört, dass der auch nicht wirklich am Pult sitzt, sondern eher so ne Art Soulcoach für die Bands ist.

JB: Genau, ich bin mit ihnen die Songs durchgegangen und sie wollten meine Meinung wissen usw.

H: Ich hatte den Namen My Uncle The Wolf jedenfalls vorher noch nie gehört, und wenn Du jetzt sagst, dass das ihr Debut ist, dann ist das auch kein Wunder. Hast Du ne Ahnung, wie die auf den Bandnamen gekommen sind?

JB: Das hat mit Richard Wagner zu tun. Entweder sein Kind oder sonst irgendjemand aus seinem Umfeld, wenn die jedenfalls Hitler getroffen haben, dann haben die ihn „Onkel Wolf“ genannt. Und das hat den Jungs ganz gut gefallen. Mittlerweile haben sie eine andere Erklärung für den Bandnamen, denn sie haben an sich nichts mit Nazikram am Hut und wollen nicht darauf festgelegt werden.

H: Ich hab gehört, dass Ihr nach der Tour wohl für das ein oder andere Sommerfestival nach Europa kommen werdet, ist da schon was spruchreif?

JB: Hmm, definitiv ist da noch nichts. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es so kommen wird, aber das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen. (Mittlerweile ist bestätigt, dass Down als Vorgruppe von Metallica diverse Shows spielen werden, Anmerk. d. Verf.)

H: Und abgesehen von Sommerfestivals, was steht an für Down?

JB: Touren, touren und noch mehr touren. In London wurden wir von der BBC eingeladen etwas aufzunehmen, wie das auch schon Led Zeppelin und The Beatles gemacht haben, da freuen wir uns natürlich drauf, das wird cool.

H: Klar, ich nehme an, dass es da dann eine DVD oder etwas in der Art geben wird?

JB: Nee, wir nehmen da nur drei oder vier Songs auf. Wir werden auf jeden Fall viel spielen und haben z.B. noch Australien, Japan und Südamerika auf dem Plan.

H: Gibts denn eine Art Zeitplan, oder ein Datum, das Ihr Euch gesetzt habt, wo Ihr beim Down-Bus erst mal die Bremse reinhaut und Euch um Eure anderen Projekte kümmert?

JB: Nein, so was gibt es nicht. Wir sind aber immer dabei neues Material zu schreiben. Und nach solchen Touren gibt es auch meist erst mal ne kleinere Pause von ein, zwei Monaten. Da tut sich also immer irgendwas. Wenns nach mir geht, ich würd am liebsten gleich mit dem Songwriting anfangen!

H: Fürs nächste Down-Album?

JB: Ja, genau. Manchmal werkeln wir auch beim Soundcheck schon an der einen oder anderen Idee rum.

H: Aber Ihr spielt nichts davon bei den abendlichen Shows?

JB: Nein, wir spielen nichts, das nicht auf dem neuen oder den zwei vorherigen Alben ist.

H: Und in Sachen Eyehategod, was geht da? Ist da überhaupt etwas geplant?

JB: Doch, doch... wir wollen versuchen meine freie Zeit zu nutzen und möglichst viel Material fürs neue Album zusammenzubringen. Denn wenn wir jemals wieder touren wollen, dann brauchen wir ein neues Album.

H: Und ein neues Label!

JB: Ja genau, das Album kommt auf Housecore Records raus, das ist Phils Label.

H: Und wo Du gerade Phil ansprichst, was ist mit Superjoint Ritual?

JB: Ach nee, das ist beendet. Das war schon lustig, wie so ne Art richtig lange Achterbahn, bei der Du ne Menge Spaß hattest, danach aber irgendwie auch nie wieder fahren willst.

Und in diesem Moment nimmt das Interview eine unerwartete Wendung. Jimmy sieht draußen vor dem Bus jemand aus einem Taxi steigen und flippt völlig aus, denn die Lady, die da aus dem Auto steigt ist Rachel, entweder seine oder eine sehr gute Freundin, jedenfalls muss er erst mal zu ihr raus. Rex beantwortet aber noch ein paar Fragen.

H: OK, Rex. Ich wollte gerade nach der Zukunft der anderen Projekte im Downumfeld fragen, kannst Du z.B. etwas zu Corrosion Of Conformitys Zukunftsplänen sagen?

RB: Nein. Die Sache ist auch, wir haben uns zusammengesetzt und gesagt, dass das an sich nix bringt, wenn wir es nur alle fünf Jahre mal auf die Reihe bringen ein Album zu machen oder zu touren. Down ist jetzt also kein Sideproject mehr, Down ist das Ding! Wenn es die Zeit zulässt etwas mit anderen Leuten zu machen, gut. Aber wenn Corrosion jetzt ein neues Album machen und dazu eine komplette Tour spielen wollen, dann ist das nicht drin – ich werde jedenfalls nicht für so was rumsitzen! Wir können mit Down so viel erreichen...

H: Es wird also keine fünf Jahre dauern, bis das vierte Album erscheint?

RB: Nein, das hätte ja auch nicht so lange gedauert, wenn nicht jeder irgendwelchen anderen Scheiß zu tun gehabt hätte. Deswegen wollen wir da jetzt auch dran bleiben und touren! In fünf Jahren, da sind wir ja alt, Mann!

H: Wie alt bist Du denn?

RB: 58 (staubtrockene Antwort)

H: Ja klar, Du Scherzkeks! Ich hab jetzt im Vorfeld gar nicht recherchiert, wie alt Du bist, hatte ja keine Ahnung, dass Du beim Interview mit dabei sein wirst...

RB: Ich bin alt genug!

H: Hey, ich kann mich dran erinnern, Pantera zum ersten Mal als Vorgruppe von Megadeth gesehen zu haben, war wohl so 1993...

RB: Könnte hinhauen. Und wir haben sie jeden Abend an die Wand gespielt!

H: Genau, ich hab zwei Shows auf der Tour gesehen und die sahen echt alt aus gegenüber Euch...

RB: Richtig, und die haben uns trotzdem immer wieder gefragt, ob wir nicht mit ihnen touren wollen. Und wir haben sie jedes Mal an die Wand gespielt, aber hey, wenn die das so wollten, für uns wars ok!

Thomas Jentsch

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