Paradise Lost - In Requiem
Nachdem das arg Depeche Mode-lastige "Host" vor Jahren recht schlecht von den Fans angenommen wurde, rudern die Briten, die als eine der Wegbereiter des Gothic Metal gelten, seither fleißig zurück in Richtung Zielgruppe. Jedes Album wurde in der Folge im Vorfeld der Veröffentlichung als härter und wieder mehr im Spirit der alten Alben angekündigt, was aber stets nur teilweise stimmte. Mit ihrem elften Album "In Requiem" ist es jetzt aber tatsächlich soweit, Paradise Lost orientieren sich zwar am Sound ihrer letzten Alben, steuern aber auch wieder deutlich in Richtung Metal. Das fängt beim Gitarrensound von Leadgitarrist Gregor Mackintosh an, zieht sich deutlich durch Jeff Singers Schlagzeugarbeit (viel Doublebass) und findet erst recht in Nick Holmes Gesang seine Bestätigung. Der lässt es nämlich wieder so richtig krachen und verabschiedet sich vom sanften Säuseln der letzten Alben. Beim Opener "Never For The Damned" werden sogar hier und da Erinnerungen an den Meilenstein "Gothic" wach. Die erste Singleauskopplung "Enemy" zeigt sich rockig und sehr eingängig, die zusätzlichen Frauenstimme und die zart eingebauten Chöre passen ideal zur Stimmung des Songs. Auch der Titeltrack ist sehr stark. Über die gesamte Albumdistanz kann die Band das Level dann aber leider nicht halten, manches klingt bemüht und wirkt als hätten sie irgendwie ihr Mojo verloren. Völlig unverständlich ist mir beispielsweise das Break in "Prelude To Descent". Anfangs ein fast doomiger Midtemposong, wird nach ca. zweieinhalb Minuten in einen tumben Humta-Highspeedpart gewechselt und zudem ein seelenloses Solo angepappt bevor man wieder beim A-Teil landet. Am Soundkostüm von Produzent Rys Fulber (Frontline Assembly) liegt das bestimmt nicht, der hat es sehr gut geschafft die metallische Seite mit elektronischen Details zu verschmelzen und die Band wieder auf den rechten Weg zu führen. In der Limited Edition im Digipack bekommt man zusätzlich zwei Bonustracks (u.a. "Missing" von Everything But The Girl). (tj)




