Thränenkind - The Elk
Unter dem Titel „The Elk” legt die Münchner Band Thränenkind ihr erstes vollwertiges Album vor und gibt damit gleichzeitig ihr Debüt auf Lifeforce. Die dreizehn Stücke bringen eine volle Stunde Spielzeit auf die Uhr und bilden zusammen ein Konzeptalbum, welches die Reise zweier Geschwister, die auf dem Weg zur Beerdigung ihres Vaters sind, beschreibt. Auch wenn die musikalischen Ursprünge der Bandmitglieder tief im Black Metal verwurzelt sind, so finden sich hiervon nur noch vereinzelte Überbleibsel auf diesem Silberling. Größtenteils hat man es mit einer eher ruhigen, sehr atmosphärischen Mischung aus Ambient und Post Metal zu tun, bei der nur vereinzelt an der Aggressionsschraube gedreht wird. Statt Härte und Raserei kommen vermehrt Emotionen, Vielschichtigkeit und das Spiel mit endlos erscheinenden Spannungskurven zum Einsatz. Mit dem Gesang im Allgemeinen, insbesondere aber mit schwarz gefärbtem Gekeife, geht man äußerst sparsam um, und gefühlte 75 Prozent der Platte bestehen aus reinen Instrumentalpassagen. Die offenkundigsten Stilparallelen findet man bei den Genrekollegen von Agrypnie, was sicher nicht von Ungefähr kommt, da Nathanael hier den Sänger und dort den Gitarristen gibt. Als weitere Referenzen lassen sich Nocte Obducta, Celestial und Wolves In The Throne Room anführen, wobei man bei letzteren den Black Metal außen vor lassen muss. Allerdings muss man auch klarstellen, dass Thränenkind die Qualität der genannten Bands leider nicht immer erreicht. Zwar hat man mit „The King Is Dead“, „My Transparent Heart“ oder „Silence Is Everything“ eine Handvoll richtig guter Songs auf Lager, aber dafür auch einige weniger begeisternde Nummern. Es scheint so, als wäre der Band bei den ausgedehnten Instrumentalparts ab und zu die Luft ausgegangen, zumindest was das Songwriting betrifft. Dadurch entstehen leider immer wieder Längen, die den ansonsten exzellenten Höreindruck doch etwas eintrüben. Zusammengefasst ist „The Elk“ ein ordentliches Album, das weniger spektakulär, dafür aber sehr emotional, eindringlich und teilweise sogar verträumt wirkt. Musik zum Nachdenken, die einen aufwühlen, aber auch besänftigen kann; leider nicht durchgängig auf hohem Niveau, für ein Debüt aber durchaus beachtenswert. (cj)




