New Morality - No Morality
Der aktuell zu besprechende Silberling rotiert zum ersten Mal im CD-Deck und sogleich macht sich Verwunderung breit. Was läuft denn da? No Turning Back? Terror? Madball mit erkältetem Freddy vielleicht? Ein hilfesuchender Blick auf die Bandinfo bringt nicht nur Klarheit, sondern mich auch zum Schmunzeln, denn der No Turning Back-Vergleich wurde bereits von anderen Rezensenten angestellt. New Morality heißt die Combo, um die es hier geht, und „No Morality“ lautet der Albumtitel. Nicht unbedingt originell und in Kombination mit den eklatanten Parallelen zu den genannten Bands kein gutes Vorzeichen für ein gutes Review. Wenn man sich davon aber nicht abschrecken lässt und den Jungs aus Arnheim eine Chance gibt, wird man feststellen, dass hier einiges aufgefahren wird, was durchaus Beachtung verdient. Hat man nämlich das Intro und die ersten anderthalb Songs überstanden, geht es erst richtig los. Das Ende von „Disease“ lässt schon erahnen, dass hier tatsächlich ein Anspruch vorhanden ist, mehr zu bieten als 08/15-Moshcore. „Mental Prison“ startet erstaunlich ruhig und wohlklingend, entwickelt aber zunehmend mehr Aggressivität und vor allem eine interessante Rhythmik. Gekrönt von sehr geiler Gitarrenarbeit bekommt man hier einen Hammersong vor den Latz geknallt, wie man ihn nach dem Auftakt der Platte niemals erwartet hätte. Sehr gut gefällt mir auch „Sad Eyes“ an sechster Stelle. Das True-Metal-Gitarrensolo im Mittelteil ist so schmalzig, dass es gar nicht besser sein könnte. „Dead End Path“ zeigt, dass man auch gute, langsame Songs im Köcher hat, bevor „The Last Laugh“ wieder auf die Tube drückt. Die letzten drei Songs von „No Morality“ zeigen dann ein etwas anderes Gesicht der Band. Ausschließlich im mittleren und unteren Tempobereich versucht man durch unterschiedliche Aggressionslevel Spannung zu erzeugen, was teilweise gelingt, teilweise aber auch nicht. „Love To Hate“ zum Beispiel ist so ein Groove-Metal-Ding, das auch aus der Feder von Downset stammen könnte. Die Idee ist gut, aber die Ausführung eher langweilig. Bei „The Future Is Ours“ fährt man wieder die Metal-Schiene, wobei das Solo hier nicht einmal halb so cool wie bei „Sad Eyes“ ausfällt, und über das abschließende „Anything But This“ hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens. Fazit: „No Morality“ ist eine sehr geil produzierte HC-Scheibe, die mit einigen hitverdächtigen Songs aufwarten kann, größtenteils aber im Mittelmaß herumdümpelt und leider auch Totalausfälle zu verzeichnen hat. Und dann wäre da noch das eingangs angesprochene Phänomen, dass New Morality nicht mal ansatzweise so etwas wie einen eigenen Sound besitzen. Wenn man dieses Problem in den Griff bekäme, wäre schon ein großer Schritt getan. (cj)




