Englemaker - Englemaker 10
Ohne Umschweife: Englemaker haben mich beeindruckt. Nicht nur durch ihre Musik, sondern auch durch ihre Attitüde und nicht zuletzt durch die Umstände, unter denen diese Platte entstanden ist. Der vergangene Winter war wohl einer der beschissensten, insbesondere für Menschen, die in Nordeuropa leben. Was macht man, wenn es ein halbes Jahr lang dunkel ist, und das Thermometer ständig Temperaturen unter Minus 20 Grad anzeigt? Man gründet eine Band, schließt sich zu viert ein und nimmt eine der angepisstesten Platten überhaupt auf. Manche Leute gehen zum Psychiater, andere therapieren sich selbst. Jedenfalls finden sich auf dieser musikalischen Splitterbombe fünf Songs, die mit jedem Akkord klarstellen, dass man auf Weichspüler-Hardcore ebenso scheißt, wie auf eine Szene, in der das Wichtigste schicke Frisuren und Facebook-Accounts sind. Herrlich. Bei Englemaker steht düsterer Schlechte-Laune-Core auf dem Plan: Roh, aggressiv, superschnell und verdammt heavy. Stellenweise sind die Einflüsse von frühem Punkrock („Redd“ und „Selvdestruktiv“) deutlich herauszuhören, wobei die grobe Ausrichtung ganz klar metallisch ist. Hier und da wird noch ein bisschen Grindcore eingestreut („Byrakrat #1“), und mit Hilfe eines fast ausschließlich am Limit agierenden Sängers wird die Arschtreterei komplettiert. Überraschend für mich war das Vorhandensein etlicher Melodien oder vielmehr Melodiefetzen („Disiplin“ und „Byrakrat #2“), die sich erstaunlich gut in die Vollgasorgie einfügen und ihr das Gewisse Etwas verleihen. Ein besonderes Augenmerk sei noch auf den Opener „Disiplin“ gelegt, der zwar zu Beginn verdächtig nach Mastodon klingt, dann aber zielsicher in Richtung Chaos abbiegt. Ein waschechter Hit. Somit bleibt nicht viel mehr zu sagen, als dass die 10-Inch von Englemaker eine Hammerplatte ist, insbesondere wenn man sich verdeutlicht, dass die Scheibe ihre allererste Veröffentlichung darstellt. Ich bin jetzt schon auf die noch dieses Jahr erscheinende Split-7-Inch gespannt, und kann allen Freunden des gepflegten Hardcore nur raten: Hört Euch Englemaker an! (cj)




