Coliseum - Sister Faith
Coliseum treiben mittlerweile schon seit einem ganzen Jahrzehnt ihr Unwesen in der Welt des Punkrocks und waren in der Vergangenheit vor allem für ihre starke Crust-Schlagseite bekannt. Auf seinem vierten Album „Sister Faith“ zieht das Trio aus Louisville, Kentucky nun aber andere Saiten auf. Auch wenn die dreizehn Stücke ihre Wurzeln ganz klar im Punkrock haben, so klingt diese Platte doch überhaupt nicht nach Punk. Vielmehr findet sich der Hörer in direkter Nachbarschaft zu Rock, modernem Hardcore und überraschenderweise auch Blues wieder. Sicherlich spielte die Verpflichtung von Produzent J. Robbins (Jawbox, Burning Airlines, Clutch) bei dieser Entwicklung eine gewichtige Rolle, wobei auch der neue Mann am Bass, Kayhan Vaziri, einen gewissen Einfluss darauf gehabt haben dürfte. Jedenfalls ist die Produktion über jeden Zweifel erhaben, was insbesondere dem organischen, leicht dreckigen Sound zuzuschreiben ist, der eine perfekt arrangierte Kulisse für diese Art von Musik bietet. „Sister Faith“ gönnt sich in Form von „Disappear From Sight“ und „Last/Lost“ einen recht temporeichen, HC-lastigen Auftakt, nimmt mit „Doing Time“ das Gas etwas zurück, bevor „Love Under Will“ und „Under The Blood Of The Moon“ die ruhigere, bluesige Seite von Coliseum offenbart. „Used Blood“ klingt dann wieder mehr nach straightem Rock und das sich anschließende „Late Night Trains“ mit seinem einlullenden Arpeggio und dem geilen Refrain liefert den ersten wirklich markanten Höhepunkt. „Everything In Glass“ überrascht durch seine Trägheit, die in Kontrast zum treibenden, mehr aggressivem „Black Magic Punks“ steht. „Save Everything“ im Anschluss ist der einzige Song auf „Sister Faith“, der mir nicht gefällt, und gerade als ich mich Frage, ob die Jungs jetzt schon ihr Pulver verschossen haben, läuft das Album zu ganz großer Form auf: Der Titelsong mit seinem mustergültigen Ohrwurmrefrain an vorletzter Position sowie das hypnotisierend psychedelische „Fuzzbang“ als leicht verrückter Rausschmeißer sind zwei absolute Übersongs, die der Platte erst die Krone aufsetzen. Es lässt sich also festhalten, dass der vierte Langspieler der Band, in Bezug auf ihre musikalische Entwicklung, einen ganz großen Schritt nach vorne darstellt. Auch wenn der Spannungsbogen im zweiten Drittel ein wenig abflacht, bleibt selbst nach etlichen Durchläufen der Spaß am Hören erhalten. Die extrem coole Vermischung der aufgegriffenen Genres gelingt so gut, dass sich diese Scheibe deutlich von der Konkurrenz abheben kann. Es stellt sich allerdings die Frage, ob auch die alteingesessenen Fans der Band die musikalische Richtung, die Coliseum mit „Sister Faith“ eingeschlagen haben, begrüßen werden. Für alle Freunde von Post Hardcore bis Bluesrock dürfte sich das Antesten dieses Silberlings aber durchaus lohnen. (cj)




