Got Nuthin - Back On The Streets
„Back On The Streets“ ist die erste Veröffentlichung einer Berliner Band, die als Seitenprojekt mehrerer Mitglieder anderer Hauptstadtcombos ins Leben gerufen wurde. Unter dem Banner Got Nuthin’ spielen die Herren seit circa einem Jahr zusammen und haben sich dem guten alten NYHC verschrieben. Auch die Tatsche, dass man fürs Debüt das Format einer 7-Inch gewählt hat, zeigt, wie sehr die Herrschaften der Alten Schule frönen. Wer sich noch an Biohazard, Suicidal Tendencies und vor allem Madball erinnert, weiß, ohne die Platte gehört zu haben, was hier Sache ist. Auch wenn die Produktion ganz ordentlich gelungen ist, und ein recht hohes Aggressionslevel vermittelt wird, reißen mich die vier Songs keineswegs vom Hocker. Neben der hohen Vorhersehbarkeit dieser Kompositionen stört mich insbesondere, dass die Berliner kaum ein Riff im Repertoire haben, welches einem langjährigen Hardcore-Hörer nicht bestens bekannt wäre. Mit anderen Worten: zu viele Huldigungen, zu wenig eigenständige Kreativität. Wenn man sich den Texten etwas näher zuwendet, entdeckt man neben einigen wirklich hochklassigen Zeilen leider auch etliches, was als grenzdebiler Nonsens abgestempelt werden muss (mit der sehr häufigen, überaus plakativen Verwendung von Schimpfworten will ich mich gar nicht erst aufhalten). Genauso wie beim Songwriting erscheinen viele dieser Ideen oberflächlich und nicht bis zu Ende gedacht. Allerdings gibt es abschließend doch noch etwas sehr Positives zu bemerken, nämlich der hohe Mitgehfaktor der Songs, der vor allem live mächtig Laune machen dürfte. Das Potential, den Leuten von einer Bühne aus in den Arsch zu treten ist also zweifelsfrei vorhanden; von einem Tonträger, der auch ohne schweißgeschwängerte Konzertatmosphäre zu überzeugen weiß, sind Got Nuthin’ aber noch einige (große) Schritte entfernt. (cj)




