Trioscapes - Separate Realities
Wie würde moderner, technischer Metal klingen, wenn es keine Gitarren gäbe? Neben der Erörterung, ob es Metal dann überhaupt gäbe, könnte eine Antwort auf diese Frage lauten: Genau wie Trioscapes! Das Projekt, das sich aus Between The Buried And Me-Bassist Dan Briggs, Saxophon-Virtuose Walter Fancourt und dem Schlagzeuger Matt Lynch zusammensetzt, wurde Mitte letzten Jahres mit dem Ziel gegründet, lediglich einen Auftritt mit einem klassischen Titel des Mahavishnu Orchestra zu absolvieren. Im Zuge der Proben entstanden dann aber auch einige eigene Kompositionen, die den Musikern soviel Spaß bereiteten, dass man sich entschloss, die Sache als richtige Band aufzuziehen. Dieses Material, das übrigens von Metal Blade unter dem Banner ‚Heavy Metal’ vertrieben wird, kann man nun auf „Separate Realities“ begutachten. Der Hörer bekommt volle vierzig Minuten Spielzeit aufgetischt, die sich auf sechs Stücke verteilt und ein breites Spektrum unterschiedlichster Einflüsse und Spielarten bietet. Zwar erinnert die Musik vom Aufbau her durchaus an Metal, klingt aber überhaupt nicht so. Es fällt auf, dass das, was normalerweise die Arbeit des Axtmanns ist, hier von Herrn Fancourt mit seinem Saxophon und stellenweise mit seiner Flöte bewerkstelligt wird. Insbesondere in den Soloparts wird die Substitution von Gitarre durch Blasinstrument sehr deutlich. Wer jetzt aber eine klassische Fusion aus Metal und Jazz erwartet, wird sich sicherlich wundern, denn im Prinzip ist das Dargebotene über weite Strecken eher unter Funk abzuheften, als unter Jazz. Auch wenn Trioscapes wie eine waschechte Fusion-Combo klingen, so geht ihr Repertoire doch weit über den Jazz-Horizont hinaus. Zudem gehen die Herrschaften mit einem technischen Anspruch an die Sache heran, der alles andere als alltäglich ist. Wenn man sich ein wenig an den ungewöhnlichen Sound gewöhnt hat, macht es richtig Laune, den meisterlichen Saxophon-Leads, virtuosen Bassläufen und vertrackten Rhythmen zu folgen und sich immer wieder aufs Neue überraschen zu lassen. Allerdings hat „Separate Realities“ dadurch auch mit einem nicht zu unterschätzenden Problem zu kämpfen: Nur die wenigsten Parts verfügen über das Potential, um sich dauerhaft im Gedächtnis festzusetzen. Für eine gewisse Zeit kann sich der Hörer sicherlich damit ‚begnügen’, von einem abgefahrenen Part in den nächsten geworfen zu werden und in nur wenigen Sekunden das zu durchleben, was im Proberaum Stunden in Anspruch genommen hat, aber leider bleibt hierbei jeglicher Wiedererkennungswert auf der Strecke. Selbst nach etlichen Durchläufen gibt es nur eine handvoll Melodien und Riffs, die einem vertraut erscheinen. Dadurch wird der ansonsten sehr gute Eindruck, den dieses Album hinterlässt, doch merklich getrübt. Fazit: Spielerisch vom Feinsten, hochinteressant, aber leider nur wenig griffig. (cj)




