Antlered Man - Giftes 1 And 2
Schön, dass sowas doch immer wieder mal passiert. Eine frische Band, die einen erst mal sprachlos macht, und das nicht nur wegen des Bandnamens (Mann mit Geweih?). Im Herbst war die Band noch im Vorprogramm der ebenfalls sehr empfehlenswerten Dänen Kellermensch zu erleben. Man scheut regelrecht davor zurück, dieses weiße Blatt zu beschreiben, man zögert, aber muss ja… Wenn der erste der zehn Songs auf „Giftes 1 and 2“ startet, ist da jedenfalls sofort dieses gute Gefühl, so ein bisschen wie heimkommen, weil die Zutaten und Sounds schon irgendwie bekannt und heimelig sind. Andererseits ist da auch sofort dieses Kribbeln, weil alles so wild, wuselig und frisch daherkommt. Da ist ein gutes Pfund System Of A Down im Spiel, viel Punk-Mentalität, etwas Prog-Gefrickel, aber auch derb-grollender Noise-Bass, den man sonst eher von Neurosis oder Unsane kennt. Wenn die vier Londoner nicht schon im Berliner Herzblut-Label Noisolution einen perfekten Hafen gefunden hätten, dann würde man sich die Band unbedingt auf Ipecac wünschen, in Mike Pattons Händen wäre die wohl auch gut aufgehoben. Selbst wenn sie weniger verrückt vorgehen und wie bei „Schizo Tennis“ mal das Gas rausnehmen, überzeugen sie auf ganzer Linie. Der etwas zerrissene Eindruck des Werks liegt in seiner Geschichte begründet. Denn die Songs stammen an sich von einzelnen, selbst produzierten und teilweise gratis verteilten Singles und so schwankt die Soundqualität etwas, das hat aber auch Charme, wer weiß ob die Band bei einem längeren Studioaufenthalt etwas derart Herausragendes hinbekommen hätte. (tj)




