Alkerdeel - Morinde
“Morinde” ist das offizielle Debütalbum der belgischen Krachkapelle Alkerdeel. Nach einigen Demos und EPs legen die Herren nun einen vier Stücke umfassenden und perfekt zum Apokalypsejahr 2012 passenden Soundtrack vor. Was bei anderen Bands nicht einmal für zehn Minuten Musik ausreicht, schlägt sich im Hause Alkerdeel mit 41 Minuten Gesamtspielzeit nieder. Der Opener „Winterteens“ macht gleich vom Start weg deutlich, was den Hörer erwartet: Abgründiger, tief schwarzer Metal, der zu großen Teilen am unteren Ende der Temposkala angesiedelt ist und mit etlichen Sludge-Elementen angereichert wurde. Ab und an nehmen die Stücke aber ordentlich Geschwindigkeit auf, und gerade „Horsesaw“, welches an zweiter Position lauert, ist sogar ein wahrer Orkan. Wer Vergleiche mag, kann sich ein ungefähres Bild machen, wenn er frühe Darkthrone, Celtic Frost und Wolves In The Throne Room in einen Topf wirft. Ein weiteres Markenzeichen der Band ist der dreckige, scheppernde Lo-Fi-Sound, der die Platte eindeutig dem Black Metal zuordnet, aber dennoch genug Raum bietet, um aus dieser Krachorgie die teils recht subtilen Feinheiten heraushören zu können. In dieser Produktion steckt sehr viel Können und mit Sicherheit auch eine Menge Arbeit. Chapeau, meine Herren! Aber auch in Sachen Komposition hat man sich einiges einfallen lassen, denn insbesondere die ausgefallenen Basslines, die häufig gegenläufig zu den Riffs angelegt sind, haben es in sich und verleihen den Songs – vor allem bei „Hessepikn“ sehr schön zu hören – die nötige Tiefe und Abwechslung. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, denn es ist QW, den man unter anderem von Serpentcult und Leng Tch’e kennt, der hier die tiefen Frequenzen beisteuert. Das abschließende „Du levande“ offenbart dann noch einmal alle Facetten der Alkerdeel’schen Musik. Ruhig-melancholische Passagen treffen abwechselnd auf derbe Sludge-Einschübe und schieres Chaos in Form von dreckigen Blastbeat-Stürmen. Hier wird der Hörer über zwanzig Minuten hinweg immer wieder an den Rand des Erträglichen geführt, und genau das dürfte auch das Hauptproblem von „Morinde“ darstellen, denn diese Platte strengt gewaltig an. Da die Belgier sich nur allzu gern am Abgrund zur Kakophonie bewegen, musste ich mich manchmal regelrecht zwingen, um nicht die Eject-Taste zu betätigen. Um das gut finden zu können, muss man definitiv Lust auf Krach haben und zu einer gewissen Aufmerksamkeit bereit sein, denn ansonsten wird dieser Silberling ziemlich schnell zum akustischen Albtraum. (cj)




