Thisquietarmy - Resurgence
Erich Quach ist ein kanadischer Ambient-Künstler, der unter dem Pseudonym Thisquietarmy bereits fünf Langspieler vom Stapel gelassen hat. Die vorliegende Doppel-CD ist folgerichtig Nummer Sechs und trägt den Titel „Resurgence“. Die vorwiegend instrumental gehaltenen Stücke spielen mehr mit Soundlandschaften und dem Erzeugen von Stimmungen, als mit dem Etablieren von Songstrukturen. Zwar hat sich der Autor über die Jahre mit dem Ambient-Genre anfreunden können, aber was er von dieser Platte zu halten hat, ist auch nach etlichen Hörversuchen nicht gänzlich klar. Bereits das Eröffnungstrio „Rebirth“, „Revival“ und „Renaissance“ bereitet Unbehagen, denn trotz vielschichtiger Klangebenen, die von Synthies und anderen elektronischen Spielsachen entfaltet werden, bleibt das Riff bzw. der Melodiefetzen über mehr als zehn Minuten unverändert und wird lediglich durch einige polyphone Leads angereichert. Insbesondere die monoton einlullenden Elektro-Drums, die zum Beginn von „Revival“ einsetzen, sind keine Bereicherung für den Song. Nichts für ungut, aber das ist beinahe schon die Definition von Langeweile. Ein Gutes hat solch ein Opener allerdings: Der Rest kann fast nur besser werden, und glücklicherweise ist es auch so. „Whispers In The Trees“ ist ein überlanger, seidenmatter Gänsehauttrip durch knisternde, sich gegenseitig überlagernde Klangsphären und Spannungsbögen, die völlig ohne Schlagzeug auskommen und dennoch viel interessanter sind, als die Mehrheit der ähnlich angelegten Passagen auf diesem Album. Dass es aber auch etwas heftiger geht zeigt „Mechanical Heart“, welches einen kleinen Schlenker in Richtung Industrial macht und durch seine leicht aggressivere Ausrichtung einen starken Kontrast zum bisher Gehörten bildet – sicherlich eines der Highlights. Langsam tritt auch eine der Grundideen hinter dieser Scheibe zutage, denn die meisten Songs unterscheiden sich durch ihre spezifische Stimmungslage voneinander, mit Ausnahme der Bonus-CD, die den Eindruck erweckt, als wäre sie vom Konzept her eine Spiegelung der regulären „Resurgence“-Tracks. „A Call To Arms“ zum Beispiel ist von der Art her dem Dreigespann zu Beginn recht ähnlich, wobei es im Vergleich wesentlich überzeugender klingt. Auch „Whirring Brain“ ist mit Sicherheit eine Erwähnung wert, denn es entwickelt sich nach einem ausgedehnten, sphärischen Intro zu einem echten Drone Doom-Konstrukt, welches gegen Ende hin recht geschickt mit dem An- und Abschwellen der Lautstärke und des Tempos experimentiert. Überhaupt streut der Komponist immer wieder solche Elemente ein, die nicht wirklich stimmig zu sein scheinen, was teilweise leider auch so ist, aber manchmal entstehen eben dadurch diese ganz speziellen Momente, die „Resurgence“ dann einen gewissen Charme verleihen. Erstaunlich viele dieser Lichtblicke finden sich im Abschluss der regulären CD in Form von „Gone To The Unseen“, welches dank der Unterstützung durch die entrückt wirkende Stimme von Meryem Yildiz eine extrem hypnotisierende Wirkung entfaltet. Der mit Abstand beste Song des Albums. Dies führt mich zu der Analyse, dass ein bisschen Gesang – hier und da über die Spielzeit verteilt – der Sache nur zuträglich gewesen wäre, denn über weite Strecken hat man den Eindruck, als ob etwas fehlen würde. Die Monotonie, die hier gepflegt wird, ist unter dem Strich nicht so betörend und einlullend wie sie sein müsste, um ein Doppelalbum damit zu füllen und es auch auf Dauer interessant zu gestalten. „Resurgence“ wartet mit Anflügen genialer Musikalität auf, die sehr beeindruckend sein können, aber letztendlich von einigen halbgaren Durchhängern verunstaltet werden. (cj)




