Pyrrhon - An Excellent Servant But A Terrible Master
Wer den altgriechischen Philosophen Pyrrhon als Paten für seinen Bandnamen wählt, möchte damit sicherlich ein Statement setzen. Die Skepsis gegenüber allem und jedem dient hier also als eine Art Leitfaden. So, oder so ähnlich könnte eine Erklärung aussehen für das, was die vier Amis auf ihrem aktuellen Album „An Excellent Servant But A Terrible Master“ als Musik verkaufen. Eine Zusammenfassung dessen, was hier passiert, fällt mit Worten allein schwer, und lautmalerische Beschreibungen will ich mir an dieser Stelle sparen. Versuchsweise lassen sich die acht Stücke grob zwischen The Red Chord (soundtechnisch) und Gorguts (musikalisch) ansiedeln, wobei man dieses Album definitiv selbst gehört haben muss, um sich auch nur annähernd vorstellen zu können, wie es klingt. Pyrrhon würzen ihren an sich schon sehr technischen Death Metal mit allerlei Rhythmik- und Akkordexperimenten, die teilweise an Jazz erinnern, aber gerne auch völlig neu und fremdartig klingen dürfen. Und weil 4/4-Takte ja stinklangweilig sind, zählt man lieber auf 11, 19 und 23. Mit anderen Worten: Das Quartett aus New York steht auf Vertracktes und schreckt vor nichts zurück, was auf irgendeine Weise abgefahren sein könnte. Ganz besonders bleiben aber diese markanten Disharmonien im Gedächtnis, die eine äußerst psychedelische Stimmung erzeugen, stellenweise in echte Krachorgien ausarten und jeglichen Sinn für ‚schöne’ Harmonien zerstören können. Sie ziehen sich durch die ganze Platte und setzen ein echtes Markenzeichen für die Einzigartigkeit des Pyrrhon’schen Sounds. Eine fette Produktion (von einer schrecklich dünnen Bassdrum abgesehen) tut ein Übriges, um den Hörer gewaltig durchzuföhnen und sein Gehirn von allem, was er bisher über Musik zu glauben wusste, frei zu blasen. Soweit wäre also in Butter, wenn da nicht das große Problem bestünde, dass „An Excellent Servant…“ bei aller Liebe praktisch nicht nachzuvollziehen ist. Anstrengend ist gar kein Ausdruck. Selbst Death- und Grindcore-Extremisten fällt es schwer, etwas anderes außer einem Klingeln in den Lauschern und einer ausgerenkten Kinnlade im Gedächtnis zu behalten. Vielleicht soll man das aber auch gar nicht, denn wie eingangs erwähnt, wird hier alles in Frage gestellt, selbst die Zumutbarkeit der Musik selbst. Somit bleibt unter dem Strich nur schieres Staunen – sowohl über die Fähigkeiten der Band als Musiker und Songschreiber, als auch über die eventuell verspürte eigene Unfähigkeit, damit umzugehen. Selten traf die Analogie einer Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn so ins Schwarze, wie bei „An Excellent Servant But A Terrible Master“. Ich kann jedenfalls nur jeden ermutigen, sich diesem mehr als chaotischen Experiment zu unterziehen, aber Obacht: Konsum auf eigene Gefahr! (cj)




