Leons Massacre - World = Exile
Schenkt man dem Beipackzettel zu „World = Exile“ Glauben, dann sind dessen Erschaffer allesamt ziemlich wilde, schräge Vögel. Sofern sich diese Attribute auf das musikalische Treiben des jungen, österreichischen Quintetts beziehen, muss ich dem nach der Begutachtung ihres Debütalbums allerdings widersprechen. Die hier aufgelegte Verquirlung von stampfendem Metalcore mit ein paar Deathcore-Anleihen ist zusammen mit der Gegenüberstellung tiefer gelegter Gitarren und disharmonischem Gequietsche bei weitem nicht so abgefahren und verrückt, als dass ich sofort meinen Therapeuten konsultieren müsste. Die Platzierung einiger Samples, die zum Teil ziemlich stümperhaft umgesetzt wurden (wie z.B. das Family Guy-Zitat bei „Tired Heart“), der vereinzelte Einsatz von Piano und Streichern sowie der recht simple Dub/Dance-Track „A Rusted Statue In A City Of Traitors“ als Rausschmeißer stellen zwar vom Ansatz her gute Ideen dar, sind aber definitiv keine Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn, sondern vielmehr keines von beidem. Auch habe ich mit dem Songwriting des Fünfers so meine Probleme, denn die meisten der Songs werden immer wieder von den zahlreich integrierten Breaks sprichwörtlich zerstückelt, sodass jeglicher ‚Flow’ bereits im Keim erstickt wird. Außerdem schrubben die Jungs allzu gerne auf diesen One Note Riffs herum, was das Album über weite Strecken etwas eindimensional erscheinen lässt. Allerdings finden sich in den acht Stücken auch einige sehr positive Ansätze. Der Gesang von Frontschwein Alex zum Beispiel: Durchaus beeindruckend. Ebenso wie die denkbar dicke Produktion, die an Kompaktheit und Durchschlagskraft kaum zu überbieten ist. Zum Ende der Scheibe tun sich dann sogar richtige Tiefen auf, denn mit „There’s No Time To Write A Poem“ hat sich tatsächlich an vorletzter Position ein echter Knallersong versteckt. Hier beweisen Leons Massacre, dass sie durchaus in der Lage sind, so etwas wie eine Melodie und vor allem einen interessanten, flüssigen Song zu erschaffen. Sollten die Jungs in Zukunft weiter in die Richtung gehen, die sie mit diesem Stück eingeschlagen haben, dürfen sie gerne wieder an meine Tür klopfen… allerdings habe ich da so meine Zweifel. (cj)




