Livstid - Livstid
Das Rezept zur Zubereitung einer ballernden Krachorgie kann gleichermaßen simpel wie erfolgreich sein. Die fünf Norweger von Livstid verdeutlichen dieses Prinzip recht eindrucksvoll auf ihrem ersten vollwertigen Album, welches den Bandnamen als Titel trägt und über das ebenfalls nordländische Label Fysisk Format abzugreifen ist. Gleich mit den ersten Akkorden entfaltet sich eine nostalgische, stark an die späten Achtziger und frühen Neunziger erinnernde Stimmung, die sich in eine gewollt krachige, aber dennoch erfreulich gute Produktion hüllt und eine ordentliche Portion Charme der alten Schule versprüht. Kurze, energiegeladene Songs, in denen Punkrock und Hardcore im ursprünglichen Sinn groß geschrieben werden, stehen auf dem Plan, wobei ein gewisser Crust-Einfluss ebenso wenig zu leugnen ist. Das Stilmittel Nummer eins lautet allerdings D-Beat, inklusive der dafür typischen, synkopierten Riffs, die sich durch die gesamte Platte ziehen und von wüstem Schreigesang - komplett in Norwegisch - begleitet werden. Stellenweise mischen sich wild rasende Blastbeats-Passagen mit unters Volk, um für noch mehr Dampf auf dem Kessel und vor allem für die nötigte Abwechslung zu sorgen. Denn wenn es etwas an „Livstid“ auszusetzen gibt, dann ist es die stellenweise zutage tretende Monotonie, die durch rhythmische Gleichförmigkeiten innerhalb der Songs entsteht. Allerdings finden sich unter den vierzehn Stücken auch einige wirklich gelungene Nummern. „Ei Jaevla Tragedie“, „Alltid Beredt“ und „Kem Ska Forme Fremtida“ (die Songs 2, 5 und 8) setzen durch die gekonnte Paarung von Härte und Eingängigkeit echte Glanzpunkte der besonders wütenden Art. Hier beweisen Livstid, dass sie eine sehr gut eingespielte Combo bilden und über ein gutes Gespür für gefällige Melodieführungen verfügen. Dafür, dass es sich hierbei um das Debütwerk des Fünfers handelt, darf man durchaus beeindruckt sein. Chapeau, meine Herren! Wenn es den Nordmännern gelingt, den mit diesem Album eingeschlagenen Weg weiter zu beschreiten und dabei ihre Palette vielleicht noch etwas zu erweitern, bin ich jetzt schon auf das künftige Schaffen dieser Band gespannt. (cj)




