Lasting Traces - Old Hearts Break In Isolation
Unser allseits geschätzter Chefredakteur drückt mir eine Emo-Platte aufs Auge. Will mich hier etwa jemand verarschen? So ungefähr fiel meine erste Reaktion auf „Old Hearts Break In Isolation“, dem ersten Langspieler der Freiburger Lasting Traces, aus. Im Nachhinein muss ich mich allerdings bedanken, denn mit jedem weiteren Durchlauf wuchs mein Gefallen an den neun Stücken, die sich dem Auditorium hier ins Ohr und auch ins Herz bohren. Moderner, sehr emotionsgeladener Hardcore steht auf der Speisekarte, zumeist wie reinrassiger Emocore verpackt und mit dem typischen Sound der Größen dieses Genres ausgerüstet. Der Ton wird in mehrdeutiger Weise von den Gitarren angegeben, die im Stande sind, ergreifende Harmonien und mitreisende Melodien scheinbar nach Belieben aus dem Ärmel zu schütteln. Untermauert von einer bestens eingespielten Rhythmusfraktion, die den nötigen Groove beisteuert, entfachen Lasting Traces – zumindest größtenteils – wahre Gefühlsstürme, welche durch den äußerst engagierten Gesang von Fronter Thomas Brenn erst ihre volle Intensität entfalten. Beachtenswert sind die cleanen Gesangspassagen, bei denen er immer wieder leicht daneben liegt, wobei dies mit Sicherheit ein bewusst gewähltes Stilmittel ist, da dadurch gewisse Reibungspunkte entstehen, die der Musik nur zuträglich sind, und die Platte auf Dauer interessant gestalten. Zwar weisen die Jungs aus dem Südwesten unserer Republik etliche klangliche Parallelen mit wesentlich bekannteren Bands dieser Kategorie auf, allerdings verfügen sie auch über eine enorme Intensität, die wiederum nur ganz wenige Kapellen im Repertoire haben. Sich hiervon begeistern zu lassen, fällt nicht schwer, und der Schmerz, der aus diesen Kompositionen spricht, fühlt sich nach einigen Durchgängen wie der eigene an. Sehr schön. Für Freunde von Verse, Modern Life Is War und nicht zuletzt Defeater ist „Old Hearts Break In Isolation“ deshalb sicherlich mehr als empfehlenswert. Ganz große Gefühle! (cj)




