An Early Cascade - Versus
Ist mein CD-Player kaputt? Nein, An Early Cascade beginnen ihr neues Album tatsächlich mit 2o Sekunden Stille. Eine gute Einstimmung, wenn man bedenkt, dass die Stuttgarter auf ihrem Debüt noch recht laut und turbulent zur Sache gegangen sind. „Versus“ ist wie das Debüt unberechenbar und vielschichtig, allerdings insgesamt sicherlich deutlich ruhiger und atmosphärischer. Die Bandinfo erwähnt Deftones, Silverchair und Radiohead als Bands, die ungewohnte Wege beschreiten und nennt Circa Survive, Fear Before, Fall Of Troy und gar Muse als musikalische Angelpunkte. In dem Spannungsfeld all dieser Bands sind An Early Cascade sicherlich gut aufgehoben, allerdings macht die Band prinzipiell ihr eigenes Ding. So ist die furiose und chaotische Seite der Band nach wie vor zu finden, gern geht man auch etwas ruppiger zur Sache. Eingebettet ist das aber immer in einen recht melodischen, verschrobenen Indie-Rock angehauchten Sound. Das ist nicht unbedingt leicht zugänglich, liefert aber einen gelungenen Kontrast. Auch spielt melodischer Gesang eine deutlich größere Rolle als bisher. Geschrien und gebrüllt wird nach wie vor, richtig fesselnd wird es aber immer dann, wenn Frontmann Maik seine Gesangsstimme auspackt. Doch auch ganz ohne Gesang kann die Band spannende Songs schreiben, wie sie mit dem Instrumental „In Between Mountains“ eindrucksvoll beweist. Die Band gibt sich permanent experimentierfreudig und hält die Songs so spannend und fordernd. Allerdings verliert sie auch nie den roten Faden, sondern bringt die Songs immer auf den Punkt. Egal ob im acht-minütigen Titeltrack oder in kurzen Brechern wie „Of War Is At War“. An Early Cascade haben mit ihrem zweiten Album weiter bewiesen, dass eine Menge Kreativität in ihnen steckt und sie auch das nötige Handwerkszeug beherrschen um es stimmig umzusetzen. „Versus“ ist ein tolles Album einer Band geworden, die hoffentlich in naher Zukunft mehr Beachtung findet. Daumen hoch. (rg)




