Onkel Tom Angelripper - Nunc Est Bibendum
Ob tote Sprachen zum Standardrepertoire des geneigten Metalfans gehört, darf bezweifelt werden – „Nunc est bibendum“ indes ist ein lateinischer Satz, den man nicht nur in jedem Asterixband finden kann, sondern der künftig auch auf deutschen Metallertreffen öfters zu hören sein dürfte. Wie auch schon bei früheren Onkel Tom-Alben dreht sich auf der neuesten CD (VÖ: 28.08.2011) (fast) alles um den Gerstensaft, der die Welt bewegt und um geselliges Beisammensein zum Zwecke des Konsums desselben. Zehn Jahre nach dem letzten Album (Angelripper: „Na ja, ich hab‘ ja noch eine andere Band…“) bereichert Onkel Tom die deutsche Partyszene um 15 Songs, die sich nicht nur zu später Stunde hervorragend mitgrölen lassen. Musikalisch ist das Album dabei durchaus abwechslungsreich und dürfte daher nicht nur bei eingefleischten Metal-Fans Gefallen finden. Das thrashige Titellied erfreut sich bester Sodom-Tugenden und hätte sich auch als das obligatorische deutsche Lied auf einem Sodom-Album wiederfinden können. Die weiteren Lieder bedienen sich mit Stilelementen aus bösem Metal, Rock und Punk an der gesamten Bandbreite härterer Musik. Die Betonung liegt dabei aber stets auf Hymnen und eingängigen Liedern, die ins Gehör und wie Alkohol ins Blut übergehen. Standen bei früheren Onkel Tom-Alben Interpretationen von bekannten deutschen Trinkliedern im Vordergrund, so dominieren auf dem neuesten Longplayer Eigenkompositionen. Bei fast allen Liedern steht Spaß im Vordergrund – sei es durch Party, Alkohlkonsum oder womöglich sogar beides. Eine traurige Ausnahme hiervon stellt der Song „Wie das Glas in meiner Hand“ dar, wo es heißt: „Fällt das Glas aus meiner Hand“ – ein Szenario, das neben Elektrolytmangel und Dehydrierung der größte Schrecken eines jeden Trinkers sein dürfte. Ansonsten werden durch Songs wie „1516“, „Schade, dass man Bier nicht f**ken kann“, „Drink doch ene mit“, oder schlicht und einfach „Bier“ vor allem Huldigungen des (wenn man von Kaffee absieht) beliebtesten Getränks der Deutschen ausgesprochen. Mit „Lemmy mach mir Mut“ und „Bon Scott hab ich noch live gesehen“ sind auf dem Album zwei Songs vertreten, die als Hommage an zwei Künstler und langjährige Onkel Tom-Idole zu verstehen sind, und mit „Auf nach Wacken“ liefert Onkel Tom die offizielle Partyhymne zum weltweit größten Heavy Metal-Festival in der norddeutschen Provinz. Eine sehr löbliche Erwähnung sollte das Albumcover erfahren – es mag nicht jedem Beatles-Fan gefallen, aber ich finde die Anspielung auf das Abbey Road-Cover äußerst gelungen. Kraftvoll produziert vom ehemaligen Sodom-Gitarristen Andy Brings mit Unterstützung von Onkel Toms Drummer Corny, gibt es technisch und handwerklich an dem Album absolut nichts auszusetzen. „Wir wollen niemanden zum Saufen ermutigen“, sagt Tom. Ob er das mit gekreuzten Fingern gesagt hat, vermögen wir nicht zu beurteilen, weil wir nicht dabei waren. Fakt ist aber, dass bei den Texten stets ein Augenzwinkern mit dabei ist und alle Lieder auch nüchtern bestens zu genießen sind. Sechs wohlverdiente Punkte! Na dann Prost. (wg)




