Headshot - Synchronicity
Wie das Artwork doch täuschen kann… Die erste Betrachtung des Covers lässt Gedanken an eine Nachwuchsband aufkommen, die ihr Layout mit MS Word-Effekten bewerkstelligt hat, und einen nicht wirklich professionellen Eindruck macht. Und außerdem, das kommt mir doch alles sehr bekannt vor: Das 1987 erschiene Album „Radegast“ der tschechischen Citron wartet mit dem beinahe gleichen Abbild auf. Aber dann klingelt es: Das sind ja Headshot. Die Band aus Braunschweig, die mittlerweile schon seit 15 Jahren in der deutschen Thrash-Szene aktiv ist, legt anno 2011 mit „Synchronicity“ ihr fünftes Album auf, dieses Mal allerdings mit einer neuen Stimme. Nachdem Andi Bruer die Segel gestrichen hatte, wurde mit Daniela Karrer eine Frau für die Frontposition verpflichtet. Und: Verdammt, sie macht ihre Sache mehr als ordentlich. Wer jetzt an Angela Gossow von Arch Enemy denkt, ist schon auf einem sehr guten Weg und kann sich ein recht gutes Bild davon machen, wie Frau Karrer zu Werke geht. Und das ist bei weitem nicht die einzige Überraschung: Gleich mit dem Eröffnungssong „Fallen From Grace“ klappt die Kinnlade des Autors ganz weit nach unten. Nach einem sehr gefälligen melodischen Auftakt, packen die Dame und ihre männlichen Kollegen die ganz grobe Axt aus, um im weiteren Verlauf ein wahres Feuerwerk an technischen Gitarrenraffinessen abzuschießen. Zudem sitzt das Schlagzeug extrem gut und katapultiert die Sache ganz weit nach vorne. Meine Fresse! Und dies soll beileibe kein Einzelfall bleiben, denn auch Stücke wie das ultraschnelle „In Silence“, der Wirbelsturm „State Of The Art“ und das extrem treibende „Falling Off The Edge Of The World“ verbinden Härte und Anspruch gleichermaßen. Im Gegensatz dazu kommen auch langsamere und eingängigere Kompositionen wie „Intensify My Fear“ und das schwer stampfende „Agony Of Sickness“ zum Zuge und bieten einen sehr schönen Gegenpol zur ansonsten vorherrschenden Brutalität im Hochgeschwindigkeitsmodus. Und ich muss nochmals auf die Gitarrenarbeit eingehen, die mit ganz wenigen Ausnahmen erstklassig ist – durchaus auch auf einem internationalen Level – und ebenso wie das Songwriting eine weitgehend optimale Balance zwischen hohem Härtegrad und einem ausgeprägten Gespür für mitreisende Melodieführungen verkörpert. Und genau diese Melodien sind es auch, die den Hörgenuss über die gesamte Spieldauer von 50 Minuten interessant gestalten, Ausgewogenheit garantieren und zu vielen weiteren Durchläufen einladen. Die Floskel ‚Was lange währt wird endlich gut’ ist bei weitem nicht so originell wie die zehn Songs auf „Synchronicity“, aber im Fall von Headshot vollauf zutreffend. Uneingeschränkte Empfehlung! (cj)




