Erode - Horizon
Mit dem Albumtitel nimmt Alex “Ali” Dietz die Antwort auf die potentielle Frage warum denn nun ein Gitarrist und Produzent, der sonst im beinharten (Death) Metal zu Hause ist, ein instrumentales Elektro-Album aufnimmt, gekonnt voraus. Das hat was mit einem weiten Horizont zu tun, der sich bei manchen Leuten eben doch nicht auf einen Standpunkt beschränkt. Scheuklappenbewehrte DieHard-Fans von Heaven Shall Burn könnten also durchaus Probleme mit diesen elf Tracks haben, die weitestgehend im Elektro- bzw. Ambientbereich anzusiedeln sind. Hier und da klingt Drum’n’Bass oder auch Dubstep an, direkte Bezüge zu bekannten Bands drängen sich für mich nicht auf, einzig der zweite Track „Detect“ muss sich dem Vergleich mit Autechre stellen und Aphex Twin kann man wohl auch hier und da als Paten sehen – allerdings bin ich aber auch keinesfalls Experte in dem Segment. „Horizon“ ist ein stimmiges Werk ohne große Brüche oder allzu harte Kontraste, streckenweise ist es angenehm chillig, ohne aber zu plätschern (obwohl es einmal sogar tatsächlich plätschert!), allerdings vermag es nicht über die ganze Albumlänge zu begeistern, aber der Mitte flaut es schon etwas ab. Highlight ist der Titeltrack, wo ein Sprachsample für fast so etwas wie Gesang sorgt. Der Band- bzw. Projektname ist auch sehr smart gewählt, denn im geologischen Sinn ist Erosion ja die Zerstörung der Erdoberfläche durch Abtragung, und irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Herr Dietz hier gar nicht so weit außerhalb seiner sonstigen Gewässer fischt. Viele Harmonien ließen sich auch gut bei seiner Hausband einbringen und auch bei Programming der Beats meine ich herauszuhören, wo der Mann herkommt; ein Produzent mit 100%igem Elektrohintergrund würde da wohl anders rangehen. Ich hoffe Meister Dietz arbeitet weiter an Erode und lässt uns zukünftig auch Tracks mit Gesang hören. Und wie sich das dann anhören könnte, klingt beim das Album abschließenden Erode-Remix des Deadlock-Songs „Brutal Romance“ an. (tj)




