Next Life - Artificial Divinity
Sie mögen harte Musik, hassen Kompromisse und sind Neuem gegenüber aufgeschlossen? Sollten Sie sich hier wieder erkannt haben, sind Sie genau der richtige Testkandidat für unser aktuelles Sonderangebot: „Artificial Divinity“ von Next Life könnte genau das sein, wonach Sie schon lange gesucht haben. Spaß beiseite, wem die aus Norwegen stammende Combo bisher unbekannt war, und wer sich ein wenig mit der oben stehenden Definition anfreunden kann, könnte tatsächlich bisher etwas verpasst haben. Die Musik der Nordmänner ist zweifellos besonders, wenn nicht sogar einzigartig. Nicht weil man komplett auf Gesang verzichtet, oder weil man jahrelang nur als Duo unterwegs war, bevor man einen Schlagzeuger mit ins Boot holte, sondern weil die Jungs um Bandchef Hai Nguyen Dinh den Audio-Chip eines Amiga 1200 (neben anderen elektronischen Spielsachen) als Instrument verwenden. Wer jetzt gleich an Nintendo Core denkt und abwinken möchte, sollte Next Life auf jeden Fall zunächst ein offenes Ohr schenken, bevor er dies tut, denn die zwölf Tracks ihres jüngsten Releases sind alles andere als ein albernes, elektronisches Herumeiern. Viel mehr wird hier sehr anspruchsvolle Musik produziert, die man ernst nehmen muss, ob es einem gefällt oder nicht. Die Kombination aus bretthartem Tech Metal und 80er-Jahre-Computerklängen ist sicherlich mehr als gewöhnungsbedürftig und oftmals auch nahe an der Schmerzgrenze; gleichzeitig ist sie aber auch so gut gemacht, dass es nicht schaden kann, sich damit auseinanderzusetzen. Super aggressive Stakkato-Gitarren mischen sich mit Sounds aus der Transistorära zu einem wahren Wirbelsturm, der nicht nur die perfekte Grundlage für ein monströses Moshpit liefern kann, sondern auch so vielschichtig und interessant angelegt ist, dass man sich im Zuhören verlieren kann. Auch die vertrackten Strukturen und die teils schwer verschobene Rhythmik sind natürlich anstrengend anzuhören, offenbaren aber ihre wahre Größe erst wenn man etwas tiefer darin eingestiegen ist. Die ganz großen Höhepunkte liefern aber solche Songs wie „Infinite Time“ oder „Divine Encounter“, bei denen intelligent und teils sehr subtil arrangierte Melodien der brachialen Metal-Suppe beigemischt werden. Allerdings fällt etwas negativ ins Gewicht, dass die meisten Nummern zu kurz geraten sind, und die einzelnen Parts innerhalb eines Stücks eigentlich immer nur ein einziges Mal gespielt werden. Dadurch entsteht eine enorme Hektik, die wahrscheinlich bewusst inszeniert wurde, aber dem Gesamteindruck nicht wirklich zuträglich ist. Aus den zusammengetragenen Ideen hätte sich ohne weiters noch wesentlich mehr – vor allem mehr Länge – herausholen lassen, ohne Gefahr zu laufen langweilig zu werden. Dadurch fällt die Gesamtdauer mit zwanzig Minuten auch leider etwas schmalbrüstig aus, und ich habe nach jedem vollendeten Durchlauf das Gefühl, als fehlte noch etwas. Und dennoch besitzt „Artificial Divinity“ das Zeug bei Freunden kranker und schräger Musik wie eine Bombe einzuschlagen. Vor allem der erwähnte Härtegrad der Kompositionen ist eine Liga für sich, in der nicht viele andere Bands Bestand hätten. Wer außerdem die Chance hat, einem Next Life-Konzert beizuwohnen, sollte dies unbedingt tun, denn es gibt nicht wenige, die behaupten, das Trio wäre der beste Live Act Norwegens. Also: Auschecken! (cj)




