Strych.Nine - Power.Play
Die fünf Herrschaften, die sich in Form von Strych.Nine zu einer Band zusammengefunden haben, entstammen allesamt den Beneluxstaaten und sind in Sachen Musik durchaus keine unbeschriebenen Blätter. Zu den früheren Betätigungsfeldern der Jungs gehören unter anderem Leaves Eyes, Spoil Engine und Crimson Falls. Der vorliegende Silberling mit dem Namen „Power.Play“ wurde in Eigenregie produziert und beinhaltet sechs Stücke, die recht modern klingen, aber auch gelegentliche Brückenschläge in Richtung Alter Schule vollziehen. Grob formuliert haben sich die Herren irgendwo zwischen Prong und Slipknot eingependelt. Das mag ad hoc etwas merkwürdig klingen, aber Strych.Nine versuchen sich immer wieder an Groove-Passagen, die eindeutig in die gleiche Kerbe wie die Altrocker um Tommy Victor schlagen; auch gesangstechnisch ist man hier überhaupt nicht weit entfernt. Gleichzeitig ist man aber auch darum bemüht, ein möglichst zeitgemäßes Klanggerüst hochzuziehen, welches sich durchaus gut anlässt, aber auch deutlich in Richtung Nu Metal ausschlägt. Auch wenn einige Stücke recht noisig daherkommen, herrscht unter dem Songsextett eine erstaunliche Transparenz. Bedingt durch die Einfachheit der Riffs und Strukturen sind die Arrangements bis ins Detail nachvollziehbar und sorgen somit dafür, dass sich die Platte in ihrer Gesamtheit recht schnell erfassen lässt. Um mit den Worten der Bandinfo zu sprechen: „Straight forward… in your face“. Das ist ja schön und gut, aber man kann es auch übertreiben, oder besser gesagt untertreiben, denn irgendwie passiert in den 23 Minuten Spielzeit schon so einiges, aber definitiv nichts, was mehr als einige wenige Runden im CD-Laufwerk rechtfertigen würde. Im Gegenteil: Es stellt sich eine gewisse Mosh-Blockade ein, denn obwohl weite Teile des Titelsongs und auch etliche Abschnitte der anderen Nummern eindeutig aggressive Züge tragen, fühle ich mich nicht motiviert, meinen Kopf auch nur ein Stückchen zu bewegen. Hier kommt ganz klar zu wenig Energie rüber. Ich denke das Problem ist der angestrebte Kompromiss, zur gleichen Zeit rau und aggro, aber doch auch irgendwie schön klingen zu wollen. Beispiel gefällig? „Revolt“: Slipknot vs. Metal-Ballade. Das kann zwar funktionieren, geht aber in vorliegendem Fall mächtig nach hinten los. Ich will jetzt nicht behaupten, „Power.Play“ wäre eine völlig belanglose Scheibe, aber die allseits gefürchtete Langeweile stellt sich bereits beim ersten Hören ein. Die von Strych.Nine dargebotene metallische Mischung klingt zunächst recht gefällig; da sie aber unter keinen Umständen dazu bereit scheinen, die Handbremse lösen zu wollen, wird der Motor ziemlich schnell abgewürgt. (cj)




