Men Eater - Gold
Kennt Ihr das Gefühl, wenn Euch eine Platte aufgrund von Genre und gutem Sound eigentlich gefallen, ja sogar voll einschlagen müsste, sie aber beim besten Willen nicht zünden will? „Gold“, der erste Langspieler der portugiesischen Men Eater, fällt bei mir genau in diese Kategorie. Die zehn Songs fahren mit meist schleppenden, düsteren Riffs und nicht gerade alltäglichem Songwriting vor, und die zum Tragen kommenden Melodien klingen auf Anhieb etwas unkonventionell, aber durchaus interessant. Insbesondere Stücke wie „Illusion One“, „The Ground Beneath The Ground We've Been“ oder auch „Sustain The Living“ können durch intelligente Strukturen, teils etwas verschobene Übergänge und andere ‚Tricks’ zunächst etliche Pluspunkte sammeln. Auch der erdige, leicht bluesige Sound in Kombination mit einer sehr charismatischen Stimme weiß zu gefallen. Sobald die Scheibe aber die zweite oder dritte Runde im Player angetreten hat, schwindet meine Aufmerksamkeit – zunächst unbewusst, dann immer offensichtlicher und schneller dahin. Vor allem gegen Ende der Platte treten immer deutlichere Längen zu Tage, die meine Vermutung, dass ich mich einfach nur ein wenig in „Gold“ hineinhören müsste, um es zu mögen, ganz schnell verblassen lassen. Unter dem Strich ist zwar kein wirklich schlechter Song auf diesem Album vertreten, allerdings scheint das Gespür für großes Songwriting – die Fähigkeit seine Musik im Ohr des Hörers festzunageln – im Hause Men Eater (noch) etwas unterentwickelt zu sein. Zwar kommt stellenweise immer wieder Stimmung auf, aber in keinem Fall gelingt es, sie über einen größeren Zeitraum oder zumindest über das Ende eines Stückes aufrechtzuerhalten. Einige Ideen und Riffs, die sich Men Eater haben einfallen lassen, sind definitiv erste Sahne, allerdings finden sich ebenso viele Gurken auf „Gold“, womit die Platte auf Dauer für mich fast ungenießbar wird. Fazit: Gute Zutaten liefern keine Garantie für einen guten Kuchen. Hier steckt viel drin: Talent in der Band, Potential in der Musik. Aber leider kommt im Endeffekt nur wenig Verwertbares dabei heraus. (cj)




