Aristillus - Devoured Trees & Crystal Skies
Es ist die Geschichte des Tellerwäschers, der klein anfängt, um irgendwann groß herauszukommen. In diesem Fall ist es Aristillus-Gitarrist Simon, der beim norwegischen Label Fysisk Format als Coverfalter jobbte, und irgendwann den Mut aufbrachte, den Labelmachern seine eigenen Songs vorzuspielen. Und so ergab es sich, dass die Band einen Vertrag für ihr Debütalbum bekam. Fast schon zu romantisch, um wahr zu sein, und dennoch ein Beispiel dafür, dass es junge Bands, die nicht wie alle anderen klingen, auch ohne aufgesetztes Image und sonstigen Schnickschnack zu etwas bringen können. Trotz ihres (fast schon erschreckend) geringen Alters, scheinen die Jungs bereits ihr eigenes Ding gefunden zu haben, und bieten auf ihrem Erstling „Devoured Trees & Crystal Skies“ erfreulich frische, unverbrauchte Musik. Die grobe Marschrichtung zielt auf Screamo ab, wobei es (wohl bewusst) vermieden wird, in den Fußstapfen gängiger Stilmittel und ausgelutschter Arrangements zu wandeln. Die Norweger wollen sich von der breiten Masse absetzen und erzielen das durch ungewöhnlich schön klingende, durchdachte Melodien sowie interessante Arrangements, wie zum Beispiel der gelegentliche Platzwechsel zwischen Gitarre und Piano. Als besonders wertvoll ist die Gegenüberstellung von derben, treibenden Abschnitten und ruhigen, fast schon verträumten Passagen einzustufen, die so gefühlvoll angelegt sind, dass sie beinahe schon zerbrechlich wirken. Auch der Gesang bedient sich dieses Schemas und bietet eine überzeugende Mischung aus klaren, klassischen Anteilen und derb-aggressiven Shouts. Allerdings ist auf „Devoured Trees & Crystal Skies“ nicht alles eitel Sonnenschein, denn mit der Zahl der Durchläufe erhöht sich dummerweise auch das Desinteresse an der Musik. Da sich die Stücke allesamt im mittleren Tempobereich bewegen und sich in der Rhythmik stellenweise viel zu sehr ähneln, verkommt der Hörgenuss nach einigen Runden im Player leider zur Hintergrundbeschallung. Auf die gesamte Spielzeit umgerechnet, fehlt es eindeutig an Abwechslung, und gegen Ende der Platte auch an zünden Ideen. Mit ein paar Songs weniger im Gepäck und einer Veröffentlichung im EP-Format währe diese Untiefe sicherlich zu umschiffen gewesen. Vergessen wir aber nicht, dass die vier Nordbuben (nicht Nordmänner) noch verdammt jung sind, und für ihr Alter mit dieser Scheibe Beachtliches auf die Beine gestellt haben. Auf kommende Taten von Aristillus darf man jedenfalls gespannt sein, denn sie verfügen definitiv über das Potential, irgendwann bei den ganz großen Jungs mitmischen zu können. (cj)




