Terra Tenebrosa - The Tunnels
Terra Tenebrosa – Schwarze Erde. Unwillkürlich denkt der Autor an Gothic, Dunkelheit und schwarze Ledermäntel. Vom Artwork ausgehend, liege ich zumindest mit den Mänteln nicht ganz falsch. Allerdings ist bei der Stockholmer Combo nichts wirklich so, wie es scheint. Die neue Band von „The Chukoo“, der Vielen noch durch sein Schaffen bei Breach im Gedächtnis sein dürfte, spielt Musik, die sich nur schwer beschreiben lässt. Ihr Debütwerk „The Tunnels“ macht zwar stellenweise dort weiter, wo Breach endete, ist aber dennoch ganz anders. Es bieten sich etliche Vergleichsmöglichkeiten und Referenzen, die der Sache aber bei weitem nicht gerecht werden können. Teilweise bedient man sich aus der Doom-Rock-Kiste, mischt diese Sachen mit ein wenig Black Metal und düster-atmosphärischen Klängen, sowie klinisch kalten Industrial-Elementen. Über weite Strecken kann die Musik aber durchaus als Ambient beschrieben werden. Jedenfalls alles andere als leichte Kost. Das Augenmerk wird weniger auf Eingängigkeit und Massenkompatibilität gelegt, als auf das Erzeugen bedrohlicher Stimmungen und vielschichtiger Klangebenen. Manchmal hat man den Eindruck, der Hörer soll unter einer endlosen, pechschwarzen Flut aus Krach und Soundexperimenten begraben werden, was auch so gut und überzeugend gelingt, als wäre man auf seiner eigenen Beerdigung. Das ist sehr beeindruckend, und spontan fällt mir keine Band ein, die diesen „Effekt“ so gekonnt zelebriert. Auch die Art und Weise wie der oft bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Gesang arrangiert wird, ist eher verstörend als einladend. Das alles sind definitiv bewusst erzeugte Eigenschaften, denn der Hörer soll sich entscheiden müssen, ob er es auf sich nimmt, sich mit „The Tunnels“ auseinanderzusetzen oder nicht. Wer mit den noisigen, oft extrem verzerrten Klängen klarkommt, und tiefer in dieses Album eindringt, wird es jedenfalls nicht bereuen. Für den durchschnittlichen Konsumenten dürfte diese Musik aber viel zu abgefahren sein. Wer deshalb darauf verzichtet, erspart sich eventuell frühzeitiges Altern, verpasst aber auch einen hoch interessanten Trip durch musikalische Abgründe und finstere Klangwelten, aus denen Terra Tenebrosa ihre zerstörerische Macht beziehen. Für Freunde der Dunkelheit und musikalischer Experimente ist Terra Tenebrosa der Geheimtipp schlechthin. Für alle anderen empfehle ich A7X. (cj)




