Owl - Owl
OWL – Ostwestfalen-Lippe? Web Ontology Language? Eine englische Eule? Alles Blödsinn. Owl ist die jüngste Veröffentlichung von Christian Kolf, dem wohl aktivsten Mitglied des Zeitgeister-Konglomerats. Seiner eigenen Aussage zufolge, stellt dieses Projekt die Verarbeitung seiner Wurzeln dar, und bestärkt mich zugleich in meiner Meinung, dass dieser Mann das Zeug dazu hat, in die (zugegebenermaßen monströsen) Fußstapfen von Hellhammer oder von mir aus auch Celtic Frost zu treten. Doch lassen wir zunächst die Zahlen sprechen: 2 Mann, 5 Stücke, 65 Minuten. Das ist genau nach meinem Geschmack. Wie wir es von Herrn Kolf gewohnt sind, hat er wieder einmal alles selbst eingespielt und -gesungen. Lediglich die Vergewaltigung des Schlagzeugs übernahm Patrick Schroeder. Dass die beiden ein gutes Team sind, beweisen sie mit „Owl“ aufs Neue, und um es gleich vorweg zu nehmen, die Platte ist der Hammer. Pechschwarzer, urwüchsiger Death Metal steht auf der Speisekarte, sehr erdig und organisch, angereichert mit viel Experimentierfreude, tiefgehenden Ambient-Elementen, einer Vorliebe für schräge Harmonien und einer ordentlichen Prise Magie und Spiritualität. Wie der purpurne Faden zieht sich die für Kolf typische ‚Schlechte-Laune’-Grundstimmung auch durch diese Aufnahme, wobei Owl noch eine Nummer abgefahrener und kranker ist, als seine anderen Bands (Island oder Gruenewald z.B.). Spielerisch präsentieren sich diese Songmonster auf unbestreitbar hohem Niveau, ohne dabei allerdings den Verdacht auf technische Masturbation aufkommen zu lassen. Ebenso abgründig wie brachial brechen die Stücke über einen herein, preschen wild nach vorne oder schleppen sich träge dahin. Immer wieder gewähren sie aber auch Zeit zu verschnaufen und zu staunen. Die hat man auch nötig, denn wer versucht den Strukturen durch die gesamte Veröffentlichung zu folgen, wird dem kleinen Hobbit ähnlich, vor große Aufgaben gestellt werden. Songreferenzen spare ich mir an dieser Stelle, da die Liednamen allesamt zweizeilig sind. Lediglich das abschließende „Threnodical Ritual…“ sei erwähnt, da es komplett aus der Reihe fällt. Als Hommage an Anathema’s „Dreaming:The Romance“ gedacht, stellt es den Hörer vor 30 Minuten Meeresrauschen mit extrem monotoner Synthie-Untermalung. Wer, so wie ich, nicht ganz damit klar kommt, kann diesen Track ja aus der Playlist schmeißen und sich immer noch an einer guten halben Stunde derb-genialer Musik erfreuen. Fazit: Nicht nur für Anhänger der Kolf’schen Lehre, auch für alle Freunde unkonventionellen Death und Black Metals ist „Owl“ ein ganz heißer Tipp. Vertrackte, sperrige Musik, schräge Songideen und spielerisches Können fügen sich hier zu einem echten Meisterwerk der düstersten Sorte zusammen. Alle Daumen hoch! (cj)




