Tonedown / Nothing Between Us / Broken Fist - Berlin-Warsaw-Moscow-Split
Über den vorliegenden Silberling kann ich (selbst wenn ich ihn nicht gehört hätte) zunächst einmal nur Positives berichten. Eine Split-CD mit Bands aus drei verschiedenen Ländern ist definitiv eine coole Idee, und was könnte der Szene zuträglicher sein, als solch ein Projekt?! Soweit sind also alle Daumen oben, allerdings hat die Qualität der dargebotenen Musik meiner anfänglichen Euphorie einen kleinen Dämpfer verpasst. Doch gehen wir die Sache der Reihe nach an: Den Anfang machen die Berliner Tonedown, die ebenso harten wie prolligen Hardcore mit Metal-Einschlag zum Besten geben. Warum allerdings in der Info das Wort ‚experimentell’ zu lesen ist, wird mir für immer verborgen bleiben. Um ehrlich zu sein, die vier Stücke der Hauptstädter sind, von einigen wenigen fetten Riffs einmal abgesehen, nicht mehr als durchschnittliche Ware vom Wühltisch, wobei meine Beurteilung vielleicht etwas von der sehr nervigen Bollo-Attitüde der Truppe beeinflusst wird. Dass man sich bei „Try As Hard As Your Life Hits You“ (?) Sprechgesangsunterstützung in Person von Keko King mit ins Boot geholt hat, macht die Sache auch nicht besser, aber das ist im Endeffekt Geschmackssache. Das sich nun anschließende Songquartett wird von Nothing Between Us aus Warschau beigesteuert und kann von der Aufnahmequalität her zwar nicht ganz mit dem Tonedown-Beitrag mithalten, dafür weiß sich die Band aber wesentlich sympathischer zu präsentieren. Es wird solider, metallischer HC mit hohem Mosh-Faktor aufgefahren, der zwar keine Bäume ausreist, aber auch keinen Durchhänger aufweist. Sehr gut gefällt mir das Schlagzeugspiel, welches neben den mächtigen Crewshouts am klebrigsten im Ohr hängen bleibt. Die letzten vier Tracks der Split gehören Broken Fist, der unangefochtenen Nummer Eins der Moskauer Szene. Ziemlich rau und ungewaschen kommen die Stücke hinter dem Ural hervor, dafür aber umso intensiver und authentischer. Im Vergleich zu den anderen beiden Bands sind die Russen wesentlich tiefer im Metal verwurzelt, und so dürfte es auch niemanden verwundern, dass sie neben drei eigenen Songs den Slayer-Klassiker „Seasons In The Abyss“ beisteuern. Ein gelungener Abschluss einer Platte, die von der Idee her hoffentlich viele Nachahmer findet. (cj)




