Power - Not For Sale
Vor zwei Jahren gründeten vier leicht durchgeknallte Punks in Kiel die Kapelle Power. Nachdem ein fünfter Mitstreiter für die zweite Gitarre gefunden wurde, legen die Jungs nun ihre selbst produzierte EP „Not For Sale“ vor. Die darauf versammelten neun Gassenhauer wären vor einigen Jahren noch als Melodic Core durchgegangen, doch wenn man es genau nimmt, spielt das Quintett Hardcore Punk im eigentlichen Sinne, allerdings mit einer mächtigen Melodiekante und einigen Abstechern in verwandte Genres angereichert. Die dargebotene Kost schmeckt auf Anhieb und verursacht ein Dauernicken. Die teils kritische, teils (selbst-)ironische Attitüde, die hier regelrecht versprüht wird, ist ebenfalls sehr sympathisch und überflutet den Hörer mit überschwänglich guter Laune. Man fühlt sich unwillkürlich dazu verleitet, ein Bierchen aus dem Kühlschrank zu greifen und am hellen Tag Party zu machen. Durch die Kürze der Songs, die nur selten über zwei Minuten lang sind, entsteht keinesfalls Langweile – im Gegenteil: Nach einer Viertelstunde ist der ganze Spuk auch schon wieder vorbei, und man fühlt sich irgendwie im Regen stehen gelassen. Ein klares Indiz dafür, dass die Stücke im Schnitt einfach zu kurz sind. So zum Beispiel haben die im Ansatz guten Melodien keinen Platz sich zu entwickeln, wonach sie aber geradezu schreien. Damit bleibt als Hauptmerkmal von „Not For Sale“ in Erinnerung, dass eine Menge zündender Ideen nicht zu Ende gedacht wurde. Wahrscheinlich wollte man einfach nur gerade aus rocken, ohne zu verspielt zu klingen. Allerdings steckt hier wesentlich mehr Erfindergeist drin, der förmlich darum bettelt, herausgelassen zu werden. Mein Vorschlag wäre, dem nicht im Weg zu stehen und statt einer viel versprechenden, eine viel erfüllende Band zu sein. (cj)




