Neuraxis - Asylon
Neuraxis sind zurück. Die kanadischen Tech-Metal-Freaks machen anno 2011 mit ihrem sechsten Album auf sich aufmerksam. Die im Wildsound Studio aufgenommene Scheibe ist die zweite Veröffentlichung auf Prosthetic und die Erste mit der neuen Rhythmusfraktion. Das Ergebnis des kürzlich abgehaltenen Besetzungsroulettes kann sich durchaus hören lassen. Die Verpflichtungen von Olivier Pinard (Vengeful) als Bassist und Olivier Beaudoin (ex-Stareblind/Eternal Burden) als neuer Schlagzeuger waren definitiv keine Fehlgriffe, denn noch nie klangen Neuraxis so düster, und noch nie so tight. Vor allem das Drumming scheint der Band ordentlich Rückenwind zu verleihen. Die zehn Stücke auf „Asylon“ (Altgriechisch für Asyl) gehen steil nach vorne, nur um gelegentlich kleine Verschnaufpausen zu gewähren. Die Verschmelzung stampfender Nackenbrecherparts mit wirbelsturmartigen Melodiepassagen und brutalsten Prügelabschnitten hinterlässt nach vierzigminütigem Chaos nichts außer einem Schlachtfeld. Das ist zumindest der erste Eindruck; wenn man sich der Platte aber ein wenig ausführlicher widmet, wird man feststellen, dass sich hinter der, vor Technik strotzenden Fassade ein ziemlich cleverer Masterplan verbirgt, auch wenn es sich nicht um ein wirkliches Konzeptalbum handelt. Aber dieser Plan – der viel besagte Rote Faden – ist der Grund warum die einzelnen Songs trotz aller fingerbrecherischen Frickelei so gut funktionieren. Die neu entdeckte Dunkelheit, die auf „Asylon“ allgegenwärtig ist, steht dem Quintett dabei sehr gut zu Gesicht, und passt übrigens wie Arsch auf Eimer zur überarbeiteten textlichen Ausrichtung. Mit diesen sehr lesenswerten Lyrics liefert Frontmann Alex Leblanc – auch gesanglich – seine bisher beste Arbeit ab. Ich will gar nicht bestreiten, dass es sehr anstrengend ist, ein bisschen tiefer in „Asylon“ einzusteigen, aber wer in der kanadischen Achterbahn Platz nimmt, wird sicherlich voll auf seine Kosten kommen. Denn Neuraxis zählen zu jenen Kapellen, die sich von Album zu Album immer ein Stück weiterentwickeln, und das seit mehr als 15 Jahren. Die Herren aus Montreal erfinden sicherlich keine neuen Stilrichtungen, aber sie machen sich doch gewaltig an bestehenden Genregrenzen zu schaffen. Fazit: Wer es gerne schnell, technisch und düster mag, muss hier praktisch zugreifen. (cj)




