Her Name Is Calla - The Quiet Lamb
Her Name Is Calla – das sind im wesentlichen eine Frau und vier Kerle, die zusammen eine Band betreiben und von der englischen Musikpresse als eine der unkonventionellsten Kapellen unserer Zeit abgefeiert werden. Nachdem ich in den Genuss ihres zweiten Albums „The Quiet Lamb“ kam, kann ich dies durchaus nachvollziehen. Das Quintett stilistisch irgendwo einzusortieren, fällt nicht ganz leicht. Die Bezeichnungen Ambient und Post Rock kommen der Sache zwar nahe, werden ihr aber keineswegs vollends gerecht, denn die Stilmittel und Instrumentierungen, die den zwölf Stücken ihren charakteristischen Klang verleihen, sind viel zu einzigartig und zu unorthodox, um sich in Schubladen stecken zu lassen. Die Musik an sich begnügt sich über weite Strecken mit sehr ruhigen, minimalistischen Klavier-, Gitarren- und Violinarrangements, die nur passagenweise von nachdenklichem Gesang ummalt werden, aber durchweg eine fast triefend melancholische Stimmung verbreiten. Dabei fällt auf, dass auch das Schlagzeug keinen durchgängigen Rhythmus beisteuert, sondern lediglich abschnittsweise zum Zuge kommt. Und es sind genau solche Tricks und Kniffe, die sicherstellen, dass die doch recht monotone Angelegenheit über die vollen 75 Minuten Spieldauer niemals langweilig wird. Das ist aber nur die eine Seite der englischen Combo, denn vereinzelt drehen sie ordentlich an den Lautstärke- und Intensitätsreglern und legen so teils noisige, teils richtig aggressive Gefühlsausbrüche aufs Parkett. Man könnte sagen, die Engländer spielen mit Emotionen, denn nachdem sie den Hörer auf minutenlange Traumwanderungen durch Gänsehautstimmungen und schiere Melancholie geführt haben, schubsen sie ihn immer wieder über die Kante und versenken ihn in Momenten völliger Raserei. Das ist beeindruckendes Songwriting auf ganz hohem Niveau. Her Name Is Calla ist zweifellos eine Gruppe von Ausnahmetalenten, die es sich zum Ziel gemacht haben, die Grenzen konventioneller Musik zu sprengen und sie stellenweise auch ganz neu zu erfinden. Wer bereit ist, sich auf das musikalische Experiment mit dem Titel „The Quiet Lamb“ einzulassen, wird sicher nicht enttäuscht werden. (cj)




