Forever In Decay - }anchors{
Forever In Decay, das sind fünf junge Musiker aus Österreich, die mit „}anchors{“ den ersten Versuch unternehmen, auf sich aufmerksam zu machen. Die erste Hörprobe fällt auch gar nicht so übel aus, denn die Produktion ist druckvoll und der Sound an sich schön aggressiv und angepisst. Stilistisch sucht man offensichtlich die Nähe zu Bands wie Emmure oder Suicide Silence. Soweit soll mir das ja alles recht sein, aber bereits nach wenigen Minuten trübt sich der anfänglich positive Eindruck stark ein, denn qualitativ lassen die sechs Stücke doch einiges zu wünschen übrig. Die Mehrzahl der Riffs ist leider nicht mehr als 08/15-Ware vom Ramschtisch, und das Songwriting ist denkbar uninspiriert und lässt jegliches Konzept vermissen. Man könnte es auch planlos nennen. Hinzu kommt, dass man die wenigen zündenden Momente, die sich auf dieser Platte finden, in dieser oder ähnlicher Form schon dutzende Male gehört hat. Auffällig ist aber, dass die Fingerfertigkeiten der einzelnen Musiker durchaus auf eine ordentliche Portion Talent schließen lassen, was aber in krassem Gegensatz zu ihren Fähigkeiten als Komponisten zu stehen scheint. Aufgrund des spielerischen Könnens entwickelt sich stellenweise schon so etwas wie Hörfreude, allerdings gelingt es den Österreichern diese Höhenflüge immer wieder mit der Antikreativ-Flak vom Himmel zu holen, und zwar mit erstaunlicher Treffsicherheit! Kaum kommt Stimmung auf, wird sie vom nächsten Break schon wieder platt gemacht. Bei guten Alben setzen sich nach einigen Durchläufen normalerweise die Highlights im Ohr fest, während bei „}anchors{“ lediglich die Fehltritte im Gedächtnis bleiben. So zum Beispiel das schräge Gitarrensolo in der Mitte von „Dethroning The Goddess“, bei dem mir spontan die Kotze hochkam (obwohl ich ein ausgewiesener Fan dissonanter Akkorde bin). Oder die Tatsache, dass man im abschließenden Track „Hollow Cause“ unbedingt noch einen zusätzlichen Song verstecken musste, auf den der Hörer geschlagene sechs Minuten warten soll, nur um dann weitere drei Minuten völlig sinnfreies Gehacke erdulden zu müssen. So gut die Combo auch mit ihren Instrumenten klarkommt, so wenig haben sie ihre Stücke im Griff. Man sollte dabei aber auch nicht vergessen, dass die Jungs erst am Anfang ihrer Musikerkarrieren stehen und noch reichlich Zeit haben, an ihren Kompositionen zu tüfteln und ein Gespür für gute Songs zu entwickeln. Ich wünsche jedenfalls viel Erfolg damit. Bis es aber soweit ist, kann ich für Forever In Decay keine Empfehlung aussprechen. (cj)




