Bloodattack - Rotten Leaders
Wer aus Bandname, Titel und Label vorab darauf tippen möchte, die Jungs aus Koblenz bzw. Neuwied wären eine Deathcore-Band, wird durch die neun Songs auf „Rotten Leaders“ zum einen bestätigt und doch irgendwie widerlegt. Bloodattack servieren auf ihrem aktuellen Album, welches sich in ein recht cooles Zombie-Artwork hüllt, einen wilden Stilmix, der einen weiten Spagat über Grind- und Hardcore, Todes- und Schwarzmetall sowie sonstigen Spielarten extremer Musik vollzieht. Von alten Meistern wie Metallica und Co. fühlen sich Bloodattack augenscheinlich ebenso inspiriert, wie von modernen Trends der Marke Metal- und Deathcore. Von musikalischen Zwängen und Hemmungen völlig unberührt, und von superschizophrenem Gekreische und Gegrunze aufgepeitscht, knüppelt sich das Quintett frisch und frei durch die Stücke, dass es zumindest anfangs eine wahre Freude ist. Zudem schütteln sie immer wieder recht ansprechende Melodiepassagen aus dem Ärmel, die der ganzen Geschichte nicht nur zu der nötigen Abwechslung verhelfen, sondern auch eine beachtliche Bandbreite verleihen. Auf technische Selbstbeweihräucherung und Solowichsen verzichtet man weitestgehend, ohne dass man das Gefühl hätte, es fehlte etwas. Im Gegenteil: Das steht der Platte durchaus gut zu Gesicht und passt zur rotzfrechen Attitüde. Allerdings wird der sehr positive erste Höreindruck mit jedem weiteren Durchlauf immer schlechter. Verantwortlich dafür ist der fehlende oder zumindest mangelhaft zusammen gefummelte Masterplan – der berühmte Rote Faden. Obwohl Bloodattack eine ganze Reihe guter Ideen auf diesem Silberling zusammengetragen haben, ist das Album insgesamt betrachtet kein wirklicher Knaller. Manchmal hat man das Gefühl ein wenig ziellos durch die unterschiedlichsten Untergenres Extremen Metals zu driften, und man hat dann auch die Befürchtung, irgendwann gar nicht mehr zu wissen, wo man eigentlich hin will. Unter dem Strich können einige musikalische Höhepunkte, ein gelungenes Cover und ein fetter Sound dafür sorgen, dass sich „Rotten Leaders“ wenigstens etwas vom Mittelmass abhebt – aber auch nicht mehr. (cj)




